Freitag, 12. August 2016

Short Cuts: Spielberg (#2)

 Something Evil (1972)

Einer von Spielbergs ersten Filmen, auch wie Duell ein Fernsehfilm, ist ein biederer Low-Budget-Genrefilm, ein altmodischer und bisweilen betagter und leicht konfuser Haunted-House-Film, den Spielberg aber durchaus bündig erzählt. Er erzählt im Grunde die Entwicklung einer einsamen Hausfrau, die sich mehr im Wahn des Okkulten verliert, mit der Einsamkeit nicht fertig wird. Der Film fokussiert sich gezielt auf sie, ist geradlinig in seiner Entwicklung, setzt kaum narratives Fett an. Der Film ist heutzutage etwas krude, das Ende strahlt (in seiner Hektik) Naivität aus, hat aber durchaus effektvolle Momente, Momente, in denen der junge Spielberg Bewegung sucht oder mit der Kamera expressiv die Gesichter seiner Figuren sucht. Der Film hat die typischen Spielberg-Themen: es geht um eine Familie, um die Kraft der Liebe, die diese wieder zusammenführt am Ende, um abwesende Väter und (das ist jetzt nicht so typisch) starke, aber eben auch hysterische Mütter, die verzweifeln, die kämpfen, die mit sich ringen. Das erinnert an Goldie Hawn in Sugarland Express, der auch eine starke Protagonistin wählt (wobei die Protagonistenwelt von Spielberg zumeist ja eine Männerwelt ist) oder eben noch als Nachklang in Filmen wie "E.T" zu finden ist. Im Subgenre des Haunted-House-Film ist Spielbergs Werk, das in ein geradezu leuchtendes Licht getaucht ist, was dem Illusionären bis Geisterhaften des Films nur zuträglich ist, keinesfalls etwas herausragendes, sondern mehr ein Komplettistenwerk. 
 5.5 / 10

E.T. - The Extra-Terrestrial


E.T., das ist die Geschichte der Kindheit, der Sehnsüchte und der Freundschaft, die durch einen Außerirdischen erscheint. Es ist kurz gesagt auch die Essenz der Kindheit, die Spielberg mit diesem Film facettenreich eingefangen hat. Es ist in Spielbergs Schaffen des weiteren nichts anderes als das Herz. Es ist ein Film über die Einsamkeit, die Familien, zerbrochene Familien, über die Abwesenheit der Väter, die eine Lücke in der Familie hinterlassen haben, die noch nicht gefüllt wurde. Spielberg schildert seinen Film einfühlsam und vor allem mit großen neugierigen Augen für alles, was dort auf der Leinwand passiert. Es ist ein Film, der von einer optimistischen Naivität durchströmt wird, die Antagonisten eher schleierhaft bleiben (auch wenn Spielberg diese Verschleierung der Gesichter im Verlaufe der Handlung auch aufhebt und seine Antagonisten vermenschlicht). In "E.T." geht Spielberg dazu sehr bewusst mit der Größe, der Darstellung des Großen und des Kleinen um, was sich besonders zu Beginn zeigt, wenn er die Geschichte über die Details erzählt und die Geschichte dadurch mysteriös wird, beinahe mythisch, da Spielberg sie im Schatten hält, keine klaren Konturen abzeichnet in den Bildern. So bleiben die Erwachsenen nur Silhouetten in der Nacht, Gespenster und böse Geister, die so übermächtig erscheinen (und markiert werden durch einen Schlüsselbund an der Hose), womit für uns auch klar erkennbar wird, dass Spielberg aus der Perspektive der Kleinen erzählt. Er erzählt aus der Perspektive der Kinder und so ist "E.T." auch Spielbergs wahrhaftigster Film, weil er das Aus-den-Augen-der-Kinder-sehen am konkretesten umsetzt. Eigentlich sogar zum Prinzip seines Films macht. Des weiteres ist dieses Werk auch einer dieser großen kleinen (mythischen) Vorstadtfilme, die von den Suburbs der 80er-Jahre erzählen, in denen eine nostalgische Sehnsucht steckt. Fast schon hat dieser Film dann auch, in seinen schönsten Momenten, etwas tranceartiges zu bieten, Momente, in denen man sich der Magie dieser Welt hingeben will, sich ganz auf diese Welt einlässst und sich in ihr verliert. Schlichtweg ist es ein Werk, das voller Sanftmut und Liebe steckt. Es liegt eine Liebe für jeden Moment vor. Spielberg verleiht jedem Moment eine besondere Magie, mag dieser noch so klein sein und das macht diesen großen kleinen Film aus. Dieser Film ist ein Kinomärchen, das man glauben muss, um es zu fühlen und an dessen Ende man einfach nur mit einem offenen Herzen staunen möchte.

8.5 / 10


 Krieg der Welten (2005)


Spielberg bebildert den kleinen Menschen in einem großen Kosmos. Er betont oft den Gegensatz vom Großen und Kleinen, vom Spektakulären und Intimen. Er betont wie klein der Mensch im Gegensatz zu seinen Gegnern, den Maschinen und Monstern ist. Spielberg erzählt eine alptraumhafte und düstere Odyssee einer Familie, die wieder zusammenwachsen muss, mit überforderten Vater, neunmalklugen Töchter und heroischen Söhnen, die sich ihre Hörner abstoßen müssen, Heroen sein wollen. Die Familie ist in Spielbergs Film das gewichtige Zentrum. Das interessiert ihn. Seine Geschichte lebt von der Fokussierung, der Enge und Intimität, die damit einhergeht. Denn sein Blick bleibt stets auf seine Protagonisten gerichtet, endet sogar beinahe in einer kammerspielartigen Situation (eine direkte Konfrontation mit den Außerirdischen muss es am Ende natürlich auch geben, aber da geht es auch um die Menschlichkeit, die Menschen, die zusammenhalten und das Böse bezwingen). Dieser Film (und vor allem seine Aliens) das sind wohl auch Spielbergs Verweise auf Dark Skies (oder das Nachholen dessen), der schließlich nie das Tageslicht erblickte.

7.0 / 10


Autor: Hoffman  

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