Donnerstag, 21. November 2013

Auch schlechter Geschmack kann gut sein - Kritik: Bad Taste (1987)




»The bastards have landed!« - Allein der Titel spricht hier bereits Bände für Peter Jacksons - mittlerweile auch schon wieder zum Kultfilm avancierten - Debüt aus dem Jahre 1987. Das ist einSplatterfilm, ein Subgenre, das Jackson ganz für sich weiterentwickelte und definierte - natürlich äußerst blutig definierte, was später in dem Koloss »Braindead« münden würde. Es ist natürlich auch handwerkliche und strukturelle Weiterentwicklung zwischen diesen Filmen bemerkbar. Ja, Jacksons Debüt kleckert nicht, sondern klotzt, nicht nur strukturell, sondern eben besonders auch handwerklich, das ist zwar alles noch sehr ungeschliffen, aber keinesfalls minder unappetitlich als das, was später folgte, vielleicht sogar noch weitaus mehr als das Folgende. Peter Jacksons Film ist in seiner perfiden Abscheulichkeit originell. Jackson hantiert radikal und kostengünstig mit Blut, Körpern und  Flüssigkeiten, aber immer noch äußerst charmant-ungalant.




Jackson übertreibt und überzieht maßlos seine Effekte und die Gewalt mancher Szenen - auf seine ganz eigene Weise - verbindet sie wieder mit einem äußerst schrägen, spritzigen und absolut absurden (Blut)-Humor und liefert auch sonst meist einen künstlerisch wertvollen Beitrag zur Gestaltung von Blut oder dem Subgenre des Splatters, wie man es nimmt. Man könnte fast davon ausgehen, dass Jacksons Film eine Parodie wäre, vielleicht auf das Genre, vielleicht auf den Splatter, vielleicht auf den Science-Fiction-Film. Das muss nicht sein, bietet sich aber an, auch wegen so manchem strahlende Filmzitat, wie eine vielseitige Kettensäge oder eine kopflastige Machete (ich denke hierbei an »Dawn of the Dead«; das ist interessant, wenn ich mir jetzt so auch die Verbindung zwischen Außerirdischen und Zombies herdenke). Und wie auch in den späteren Werken fungiert der Score hier als Demonstration eines ironischen Untertons, er wirkt beinahe schon überzogen ernst und dramatisch, was natürlich einen absoluten dem abgedrehten Gezeigten darstellt.


Das ist schon herrlich unangepasster Film. Die Kamera filmt dazu schwingend und mit grotesk-markanten Zooms, zur Verdeutlichung der Groteske, im übrigen finde ich so etwas für solch ein Projekt doch überraschend professionell gemacht. Im Gegensatz kommt dafür Jacksons Film recht plump daher, das gilt sowohl dramaturgisch als auch inszenatorisch, obzwar das doch auch seinen gewissen Reiz hat. Jackson möchte damit ja provozieren und mit den Normen brechen. Denn ja, man kann diesen Film ebenfalls als dreckige, oftmals auch subversive, offensive und ungeschönte Provokation lesen. Das mag zwar alles recht plakativ sein, unterhält aber auf seine groteske Weise dennoch sehr gut. Er verarbeitet die Geschichte, wenn es das überhaupt eine Geschichte ist, spielerisch mit Zynismus. Die Handlung, die ist dabei unerheblich, das ist sinnwidrig und will wahrscheinlich auch gar nicht erst sinnvoll sein. Manch einer will darin zudem auch eine Abrechnung mit den Klischees und der Biederkeit sehen, gepaart mit apokalyptischen Charme einer niedergehenden Zivilisation.






Mancher dürfte das als trashig bezeichnen und im Grunde ist Jacksons Film auch nichts anderes, aber er ist guter Trash, bei dem Jackson sich vor nichts und niemanden scheut und sein Ding bis zum Schluss durchzieht. Jackson treibt das Ganze regelrecht zur rohen Polarisierung und Grenzüberschreitung in Form von einer Alieninvasion, während er makaber zwischen Perversion und Ironie tendiert. Das Gesamtpaket von »Bad Taste« ist grobschlächtig und taktlos, aber in seiner Experimentierfreude nicht uninteressant. Irgendwie hat dieser Film so etwas sehr markantes an sich. Ja, vielleicht will Jackson hier einem Mittelfinger zeigen, wie es auch im Film selbst auftaucht. Ja,»Bad Taste« bleibt sich und seinen Titel treu. Er ist ein absolut geschmackloser Film und dabei doch eine garstige Provokation, ein netter Trashfilm und nicht zuletzt ein äußerst ansehnlich Splatterfilm. 



7.0 / 10


Autor: Hoffman




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