Freitag, 9. Mai 2014

Das Leben in einer Welt der Trümmer - Klassiker der Extraklasse: Irgendwo in Berlin (1946)



Gerhard Lamprecht schildert mit »Irgendwo in Berlin« das Leben der Menschen in der Nachkriegszeit. Er zeigt und beobachtet die Menschen und ihre Situation. Er zeigt in lebendig-trostlosen Bildern eine verfallene Stadt, in der überall Schutt und Asche liegen, in der Häuser zerbombt sind und manche von ihnen auch nicht mehr als Trümmer sind. Schon in seiner Overtüre, in der ein Taschendieb durch diese Ruinen verfolgt wird und die von Erich Einegg dynamisch-energiegeladen untermalt wird, zeigt Lamprecht all das. In diesen Ruinen, dort spielen auch die Kinder, sie spielen in ihnen als wäre es ihr großer (und gefährlicher) Spielplatz. Die Kinder sind dieselben, bloß die Zeiten sind andere, heißt es im Film. Und die Erwachsenen, die resignieren, können den Krieg nicht vergessen, sind traumatisiert oder versuchen sich durchzuschlagen mit Tricks, Geschäften, Betrügereien und Diebstählen (wie die Figuren des Diebes Waldemar oder der des Untermieter darlegen). Die Erwachsenen sind keine Vorbilder für die Kinder. Und die Kinder tun das, was die Erwachsenen ihnen vormachen oder vormachten.



Der Junge Gustav lebt allein mit seiner Mutter. Sie warten auf die Rückkehr des Vaters. Gustavs Freund Willi hingegen ist ein Flüchtlingskind, weiß weder wo Mutter noch wo Vater sind. Er lebt aber bei der Besitzerin eines Ladens und ihrem Mieter, der den Jungen verdirbt und für seine Zwecke ebenso benutzt. Er handelt illegal mit Waren und so tauscht er mit den Kindern Feuerwerkskörper gegen (von zuhause entwendete) Nahrungsmittel ein. Mit den Raketen wiederum spielen die Kinder auf ihrem »Spielplatz« den Krieg weiter. Schießen, machen kaputt und klettern auf die Ruinen. Sie kennen nichts anderes. Was sollen sie sonst tun? Gustavs Vater kehrt Heim als ein desillusionierter, abgenutzter und erschöpfter Soldat, der zunächst von seinen Sohn auch nicht wiedererkannt wird. Er ist ein Mann, der zu viel erlebt hat und den Krieg nur noch vergessen will, aber gleichzeitig nicht nach vorne schauen kann und alles zerstört vorfindet. Als er ging, versprach er, wenn er wiederkommen würde die Garagen (= sie stehen hier als Teil für das Ganze) wieder aufzubauen, nun hat er keine Kraft und keinen Mut mehr. Lamprecht erzählt das aufrichtig-emotional wie auch authentisch, wenngleich er hin und wieder zu abgedroschen-pathetischen, aber dabei stets effektvollen Gesten neigt. Andererseits weiß er in anderen Momenten damit genauso gut zu berühren, inbesondere wenn er sich auf seine Stummfilmzeiten zurückbesinnt. Und zuletzt appelliert er am Schluss mit diesem Film auch daran, die gemeinsamen Kräfte zu bündeln für einen Wiederaufbau und gerade hier zeigt sich auch noch einmal, dass Lamprecht viel Hoffnung in die junge Generation hegte, die den Schutt, den die Erwachsenen verursacht haben, ebenfalls wegräumt, bereit ist etwas zu tun und nach vorne zu schauen.

7.5 / 10


Autor: Hoffman 



Kommentare:

  1. OT: Auch euch wollte ich hier mal Bescheid geben, falls das sonst nicht von euch gesehen wird. Wir geben das "Blockstöckchen" weiter, wenn ihr Lust habt mitzumachen, fühlt euch frei und unterstützt, dies zu tun. (http://planetofpictures.blogspot.de/2014/05/5-bucher-fur-2014.html)


    Gruß, Charlie (im Auftrag von Planet of Pictures)

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    1. Ja, gut, dass du Bescheid gegeben hast. Gesehen hätten wir das nämlich tatsächlich nicht. Mal schauen, was bei uns drauß wird. :-)

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