Freitag, 20. April 2012

Der Koloss des Kinos - Klassiker der Extraklasse: Ben Hur



Welch Koloss eines Films. Jeder dürfte ihn kennen. Jeder dürfte schon einmal von dieser Geschichte gehört haben. Dem Film "Ben Hur". Nun kurzum zu einer meiner langweiligen Lebensgeschichten, ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen, es war aber nicht gestern. Schon damals war er mir bekannt, der Titel jenes Films »Ben Hur« - auch wenn ich damals noch das Medium Film meidete. Doch wie das Leben so spielt sollte auch mich dieser Film in jungen Jahren erreichen, auch wenn ich im damaligen Kontext dies bisweilen überhaupt nicht wollte, aber ironischerweise entschied man dies. Ich sollte ihn sehen und Zeuge des Kinos werden, welches ich fürchtete, so erfolgte die erste Beobachtung dieses Films im damaligen Geschichtsunterricht - Herr Gott war ich damals noch jung - und ich bin mir nicht mal sicher unter welchen Kontext. Sicher irgendein Thema um Christi Geburt. Denn Regisseur William Wyler führt uns zurück in jene Zeitepoche und lässt die großen Zeiten des Monumentalfilms hierbei noch einmal hochleben. Ein leibhaftiges Epos um die Geschichte eines Mannes, eines Verratenen, eines Verbannten, eines Aufsteiger, der sich seinen Weg erneut nach oben kämpft um letztlich Rache zu üben an jenen die ihm seine Freiheit raubten. Ein bekannter Stoff, man könnte behaupten vielleicht prägte Wylers Werk aus dem Jahre 1959 sogar, sicher wäre ich dennoch nie.


Immerhin variiert er bekanntlich nur den bereits verfilmten Stoff nach dem Roman von Lew Wallace, wobei man hierbei auch damals zu radikalen Mitteln griff um um möglichst die beiden davorliegenden Verfilmungen verschwinden zu lassen. Trotzdem schildert Wyler diese Geschichte in bisher noch nie dar gesehener Länge, ob dies positiv zu vermerken ist entscheide jeder selbst. So hatten meine Mitschüler und ich wenigstens Freude daran, da dieser wie gesagt einen Großteil des Unterrichts aussetzen ließ. Ironisch auch zu sehen der Gedanke, dass man selbst bei der erneuten Ansicht noch fast weiß bei welchen Szenen man wegschaute, da diese doch teils von Brutalität zeugen, man sollte keinesfalls logische Schlüsse hierbei erwarten. Denn Massenszenen gibt es viele. Wunderbare wie auch gleichauf verstörende Erinnerung. Doch selbst nach so vielen Jahren die Bilder im Gedächtnis blieben, einige davon unvergesslich und prächtig bebildert von Robert Surtees, jedes Bild wie ein großes Gemälde - eindrucksvoll wie auch fesselnd und sogar mit Blue-Screen-Technik ausgestattet. So wie Monumentalfilme in ihrer ganzen Pracht aussehen sollten, kraftvolle Farben und bewundernswerte Kulissen. Ich könnte fast seitenweise von diesen Kulissen und großartigen Bildern schwärmen, es ist im Grunde nur ein Fest für die Augen. Und insofern sollte auch die Ausstattung an sich gelobt werden, auch wenn diese unter Expertenaugen wahrscheinlich nicht bestehen würden. Man beachte dabei auch, dass "Ben Hur" weder ein historisch-exaktes noch eine perfekt ausgearbeitete Rekonstruktion dieser Zeitepoche darstellt, auch wenn man sich sichtlich bemühte um Glaubwürdigkeit, jedoch Fehler findet man überall, was aus heutiger Sicht den Gedanken der Geschichtslehrerin ins ad absurdum führt. Aber wollen wir auch nicht böse und ungerecht sein, wer würde dem Film nicht seine Fehler verzeihen.


Dabei könnte man meinen agiert Charlton Heston der Größe der Kulissen ebenbürtig, somit energiegeladen, emotional, tiefschürfend und kraftvoll, sodass sein Protagonist an Sympathie gewinnt, durch das Spiel Hestons. Auch wenn ich zugegebenermaßen hierbei Jack Hawkins noch weitaus sympathischer fand, was schon den damaligen Verhältnissen geschuldet war, souverän spielt auch er als Konsul Quintus Arrius, Hugh Griffith gliedert sich gekonnt ein und Stephen Boyd macht seiner Rolle des einstigen Freundes und Verräters von Ben Hur, Messala alle Ehre. Eben exzellent ausgewählt. Des weiteren inszeniert Wyler nahe an der technischen Perfektion, ob bei den wie erwähnten Bilder, oder Wylers Regie selbst, welcher alle Grundelemente des Monumentalfilms miteinbringen lässt, wobei sich das Genre sich meiner Meinung auch oft an der Unterhaltung des Zuschauers orientiert und insofern bietet Wyler Großes. Mit religiösen Ausgangsmotiven und Elementen, passend und dabei bietet er pure Dramatik, einen Prise Tragik, echte Heldenfiguren, große Schlachten, imposante Bauten und ein absolutes Highlight der Kinogeschichte, das unvergessliche Wagenrennen, oft zitiert und hier in Perfektion ausgeführt, dass es mir zumindest einen gewisses Gänsehautgefühl gab. Da kocht das Herz und man spürt förmlich mit welcher Leidenschaft Wyler seinen Film inszenierte. Beileibe fast epochal an der Größe zu messen. Demnach kann man es aber auch gleichzeitig problematisch sehen, dass "Ben Hur" von solcher Überlänge geprägt ist und so auch einem bekannten Handlungsschema entspricht, obwohl man eine große Breite an Gefühlen zeigt, wobei für mich jedenfalls auch einige Längen entstanden, die im Nachhinein aber wieder vergessen sein könnten, durch (ich betone das oft) durch großen Momente dieses Films. Technisch wie gesagt herausragend. So weist das Drehbuch als Beispiel auch gewisse Mängel in Hinsicht der Charakterzeichnung, welche für mich jedenfalls recht einfach ausfiel. Anderswo ist der Film überraschenderweise eigentlich perfekt auf das klassische Dramen-Muster ausgerichtet in Struktur und Aufbau.


Aber was rede ich hier, man überzeuge sich selbst von der Bildgewalt des "Ben Hur". Insofern hatten die damaligen Geschichtsstunden sich doch gelohnt, auch im Verlaufe meiner Liebe zum Film, aber das ist eine andere Geschichte. Es wird sich für jeden lohnen, hoffe ich. Und unter uns - besser als heutige Pseudoepen im Stile "Avatars" ist er allemal. Spürbar die Herzenskraft, die William Wyler in seinen filmischen Koloss, wie erwähnt mit krönenden Höhepunkt in Hinsicht des gigantischen Wagenrennens, steckte, beeindruckend umgesetzt und so bildet "Ben Hur" letztlich ein ausgezeichnetes Paradebeispiel für große Unterhaltung, und ja auch das ist großes Kino, man mag es kaum glauben.


8.0 / 10


Autor: Hoffman

Kommentare:

  1. Gehört ja, gesehen auch, zum Teil. Aber damals als Kind hatte ich da nicht so die Geduld dafür. Ich muß endlich meine DVD mal benutzen. Geht dir das auch so, daß diese eingeprägten Erfahrungen einen irgendwie abhalten? Ich zwinge mich schon immer alte Traumata aufzuarbeiten.^^

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  2. Erinnerungen abhalten? Nun ja kommt auf den jeweiligen Fall an, wenn positiv eher nicht nur eine gewisse Unsicherheit, als Beispiel TAXI DRIVER bei mir, bei dem ich mich teils auch vor einer zweiten Sichtung fürchtete. Und bekämpfe das Traumata. ;D
    Immerhin danach kannst du sagen, du hast ihn fertig und musst ihn nie wieder berühren - was ich nebenbei gesagt nicht hoffe, zwar nicht allzu oft, aber doch alle paar Jahre mal wieder bei Zeit - immer daran denken: Dann hast du auch diese DVD benutzt, ist das nicht ein idealistisches Ziel?!^^

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  3. Wenn es danach ginge, alle DVDs wirklich zu benutzen, dann bin ich noch einige Zeit verpflichtet. Aber ich bin ja freiwillig diesem Pakt beigetreten. ;)

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  4. Na dann zwinge dich freiwillig dazu. ;D
    Aber irgendwann wird der Tag, kommen und die Macht wird mit dir sein und es wird dann Zeit für BEN HUR. Irgendwann, ich hoffe zudem irgendwann bald. In dem Falle wünsche ich dir dann gutes Gelingen.^^

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