Dienstag, 26. Februar 2013

This is the End (of the Wild West) - Klassiker der Extraklasse: The Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz (1969)


Hinweis: Hier spoilert es gewaltig, da es bei dem Film unvermeidbar ist, und das Ende eigentlich jeder, der sich mit Filmen beschäftigt, schon kennt.


1914. Das 20. Jahrhundert und die Industrialisierung haben längst Einzug in den Wilden Westen erhalten. Vorbei sind die Zeiten, in denen es noch so was wie „Gut und Böse“ oder „Recht und Ordnung“ gab, der einstmals edle Westen ist zu einem unmoralischen Ort geworden, an dem es keine Helden mehr gibt.
Vor dem Hintergrund all dessen schickt Sam Peckinpah seine Outlaws auf Beutezug durch den Süden der USA und Mexiko. Das mag jetzt nicht der originellste Plot für einen Western sein, doch bereits die Eröffnungsszene macht klar, dass „The Wild Bunch“ alles andere als ein normaler Western ist: Kinder verbrennen Skorpion und Insekten als wäre es ein Spiel im Sandkasten, und der Überfall, den das Bunch in dem entlegenen Ort durchführen will, endet in einem dreckigen Massaker, in dem auch mal Frauen und Kinder als menschliches Schutzschild herhalten müssen. Peckinpahs Film schießt einfach in jeder Hinsicht über das Ziel hinaus, sodass die Schießereien, auch wenn sie gemessen an heutigen Möglichkeiten recht softcore wirken, noch immer schocken. Jedoch wäre es ein Fehler, „The Wild Bunch“ nur auf seinen Blutzoll zu reduzieren, denn dieser Film lebt von so viel mehr:


Die Hauptfiguren sind zwar unmoralische Arschlöcher, was sie auf der einen Seite ziemlich unsympathisch macht, doch Peckinpah betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei, immer wieder, wenn im Film mal so was wie Ruhe herrscht, lässt er durchsickern, dass seine „Helden“ trotz all dem, was sie tun, naive Romantiker geblieben sind, die im Leben als Outlaw und in der Gruppe ihre Erfüllung finden, und ignorieren, dass dieser Lebensstil in einer Welt, die mehr und mehr industrialisiert und gewalttätiger wird, schlicht nicht mehr möglich ist. Sie wissen, dass sie untergehen werden, doch sie machen weiter, nehmen dabei aber zivile Opfer ohne mit der Wimper zu zucken in Kauf.

Jedoch ist das Bunch mit dieser Lebenseinstellung nicht alleine. In der Welt von „The Wild Bunch“ ist niemandem auch nur irgendwas heilig: egal ob Frau, Mann, jung oder alt; hier hat jeder Dreck am Stecken. Peckinpah hat einer gewalttätigen und unmoralischen Gesellschaft einfach nur auf schonungslose Weise den Spiegel vorgehalten, was den Film meiner Meinung nach vom Vorwurf der selbstzweckhaften Gewaltdarstellung freispricht.


Inszenatorisch ist der Film auch über alle Zweifel erhaben: Peckinpah setzt mit seinen Zeitlupen und schnellen Schnitten Maßstäbe für Regisseure wie John Woo, schafft es aber dennoch meisterhaft seine Geschichte zu erzählen und sie zu einer Parabel über Kameradschaft, Gewalt und dem Verlust moralischer Werte zu spinnen. Jerry Fieldings dreckiger Score wirkt wie ein Peitschenhieb, der das Geschehen weiter vorantreibt. Und je länger der Film dauert, desto mehr moralische Tabus fallen, und die Brutalität der industrialisierten Welt wird immer deutlicher: das kürzlich erfundene und noch immer nicht fehlerfreie Auto wird schon als Folterinstrument zweckentfremdet; Mütter, die nicht anders können, als sich zu prostituieren, werden vom Bunch nur als Sexobjekt gesehen und nicht bezahlt, nach dem sie mit den stinkenden und ungewaschenen Outlaws schlafen mussten; Verlogenheit und Verrat auf allen Seiten und schließlich gipfelt der Film in einer der bekanntesten Schießereien der Filmgeschichte, die mehr einem Massaker gleicht.



Diese Schießerei ist in vielerlei Hinsicht interessant und verdeutlicht noch einmal, dass „The Wild Bunch“ ein dreckiger Abgesang auf das Western Genre ist. Peckinpah führt die Minigun in den Wilden Westen ein, womit der Showdown sowohl für das Bunch, als auch den korrupten mexikanischen General und seine Soldaten zum Massengrab wird. Keine der beiden Seiten kommt hier lebend raus, Peckinpah lupft den Wilden Westen in das Zeitalter von Grabenkriegen und Massenmord. Am Ende sind sowohl die Outlaws als auch die Mexikaner mausetod, und die Kopfgeldjäger sammeln die Leichen von Peckinpahs „Helden“ ein, um damit an Geld zu kommen. Jetzt ist klar, dass die Ideale und der Lebensstil des Wilden Westens in der modernen Welt ins Grab führt, am Ende nur die gewinnen, die sich wie Aasgeier auf das stürzen, was übrig bleibt und der einstmals edle Westen unter einem Berg voll Leichen begraben ist.


10/10

Autor: MacReady

Kommentare:

  1. 10 Punkte auch von mir. Und gleich dahinter "Soldier Blue und Ulzana´s Raid". Habe eben selbst über eine neue Western-Serie berichtet, die bis jetzt noch nicht so richtig zündet. Deshalb sprecht ihr mir mit The Wild Bunch aus der Seele.
    Grüße Klaus

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    1. Gern geschehen. Unter 10 Punkten geht hier auch nix.

      Grüße zurück. ;)

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