Sonntag, 23. Oktober 2011

Kritik: Vier im roten Kreis



"Siddhartha Gautama,
 der Buddha,

 zeichnete mit roter Kreide einen Kreis und sagte:
 Wenn es vorherbestimmt ist,
 dass Menschen einander
 wiedersehen sollen,
 was auch immer mit ihnen geschieht,
 auf welchen Wegen sie auch wandeln,
 am gegebenen Tag werden sie einander,
unvermeidlich "im roten Kreis begegnen."

Rama Krischna"

Melville zum vierten Mal!
Und wieder einen Melville-Film mehr in meinem Leben gesehen, nach Teufeln in weißen Westen und kalten Chefs und ja auch nach Millionen eines Gehetzten, wobei der letzte Beitrag dann doch etwas enttäuscht, aber im großen Maße, im Vergleich zu seinen vorher gesichteten Werken aber etwas schwächer und nicht ganz überzeugend, trotzdem noch "gut", aber egal. Denn es geht ja schließlich hier um einen völlig anderen Film des Meisters Jean-Pierre Melville und zwar "Die Vier im roten Kreis", mein vierter Melville, aus dem Jahre 1970.

Dazu noch eine exzellent ausgetüftelte Story, mit den wirklich klassischen Elementen eines solchen Gangsterfilms angereichert, eine Story um  Verrat, Schuld, das Schicksal und ja auch um einen Einbruch, sehr clever und raffiniert gemacht: Gerade frisch wieder aus dem Gefängnis entlassen, plant Gauner Corey gleich seinen nächsten Juwelenraub, gemeinsam mit dem flüchtigen Sträfling Vogel und dem Ex-Flic Jansen. Doch der Kommisar Mattei bekommt Wind von der Sache und versucht sie ausfindig zu machen.


Als Vorspeise gebe es zudem erstmal ein herausragendes Darstellerensemble, die Creme de la Creme der französischen Virtuosen, eine Besetzung, die an sich keine Wünsche mehr übrig lässt, zunächst einmal wieder auf der Liste ein großartiger und wie immer stets eleganter Alain Delon als Einbrecher Corey (mit Schnurrbart). Dann noch ein erstklassiger Yves Montand, auch Montand wieder in echter Hochform, ich möchte ja sogar fast das Wort "perfekt" verwenden, Montand hier als alkoholkranker Jansen und als Dritten im Bunde hatte wir da noch einen mehr als überzeugenden Gian Maria Volonté schließlich als Vogel, der Sträfling. Ein wahres Trio Infernal. Besser geht´s nicht! Oder doch?! Es geht und zwar mit Bourvil als Sahnehäubchen. Bourvil der Komiker? Ja es handelt es sich freilich um ihn und ich bin der Meinung man hätte niemand besseren für die Rolle finden können, überraschte mich besonders in dieser ernsten Rolle, denn er spielt die Rolle des Kommisar Mattei wirklich brillant, hätte ich ehrlich nicht erwartet. Und ja er zeigt es allen noch mal in einer seiner letzten Rollen, denn das was er abliefert ist saustark. Somit hätten wir auch eine ideale und stilvolle Besetzung. Um es so zu sagen, diese Vier definieren das Wort "cool" erst in vollem Maße.


Und am Herd oder besser gesagt in der Küche steht der Meisterkoch Melville natürlich selbst. Und um es zu sagen, er kocht uns wieder die feinsten Sache. Das heißt, wenn Melville kocht schmeckts immer! So gut wie immer. Das Gekochte wird selbstverständlich nur so verschlungen. Seine Regie hierbei genial, ich liebe ihn einfach, ich liebe seine unglaubliche Präzision, spannend vereint er das Gangstergenre, den Thriller und den Heistfilm(besonders schmackhaft). Ein echten Leckerbissen bildet dann noch der absolut brillant inszenierte und man könnte sagen heutzutage legendäre Einbruch bzw. dessen Sequenz. Ohne Worte, ca. 25 Minuten technisch perfekte Inszenierung und Spannung, ohne überflüssige Worte, famos gehandhabt. So wie es nur Meister Melville kann. Spannend bis zum Schluss, jede Minute ein Highlight.
Weiterhin ist die Kameraarbeit auch wieder brillant und fast einmalig, wieder einmal unterkühlte Bilder, sehr stilvoll gekleidete Bilder, von einer unglaublichen Intensität geprägt und mit einer erstklassigen Atmosphäre verziert. Ganz große Klasse, so wird das Ganze also in ein gleichzeitig einfach elegantes, stilvolles, düsters und cooles Gewand gehüllt.


Die Charaktere wurden des weiteren sehr gut gezeichnet, mit Hintergründen, alles taffe Männer, bestimmt am Anfang recht interessant, aber bei Melville braucht man ja bekanntlich nur wirklich wieder ein Wort um seine Figuren zu beschreiben und zwar "cool".
Mehr braucht man vorab nicht zu wissen und auch die Dialoge wurden sehr fein geschrieben, wenn sie denn zum Einsatz kommen.



Schlussendlich kann ich dann nur noch sagen, dass "Vier im roten Kreis" für mich bisher zu den großen Meisterwerken von Jean-Pierre Melville zählt, sogar zu meinem Favoriten unter den vier bisher gesehen, fast ironisch das Ganze, für mich zählt dieses Werk auf jeden Fall zu einen der coolsten und stilvollsten Gangsterfilmen, die mir bekannt sein sollten. Einfach perfekt ausgereift von Anfang bis Ende. Nichts geht eben über einen echten Melville.


                      10 / 10

Autor: Hoffman

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