Samstag, 22. September 2012

Entgeistert in der Irrenanstalt mit Geoffrey Rush - Kritik: Haunted Hill




»Das Haus ist lebendig. Wir werden alle sterben.« - »Das ist das Böse.« - Irgendwie seltsam, das höre ich bei jedem dritten (mäßigen) Horrorfilm immer wieder aufs neue. Es kann schon ein harter und steiniger Weg sein die Etappen dieses Genres zu erklimmen, voll von Fallen und hinterhältigen Klappen, die zurück an den Anfang führen oder in Gefilde, die so seltsam belichtet sind und die jemand wohl als Tiefen bezeichnen würde - kontextlos - ich mag Geisterhausfilme, auch wenn ich noch viel lieber Geisterschifffilme mag, die produziert bloß kein Schwein - ist denen wohl zu uneffektiv oder zu innovativ. Nun gut, hierbei mag es sich zwar nun nicht um ein Geisterhaus handeln - eher um einen Hügel - weshalb auch der stichgebene Titel "Haunted Hill" aus dem Jahre 1999 - doch das Prinzip bleibt dasselbe. Da fragt man sich was sich Regisseur William Malone und die Produzenten Silver und Zemeckis dabei gedacht haben müssen als sie meinten ein Remake (Todesurteil) eines Vincent-Price-(bzw. William Castle)-Klassikers wäre irgendwie gute Idee. Ich weiß es nicht. Ist mir auch egal.



Wie der Film ab sofort auch. Das erste Problem stellt sich schon insofern, dass das Gruselhaus gar nicht mal ein Haus, eine Villa, ein Herrenhaus oder sonst irgendwas was man mit dem Worten »stilvoll« oder »altmodisch«  zu verbinden wäre überhaupt existiert. Sondern das »Böse« in Reinkarnation einer ehemaligen Irrenanstalt in Kraft tritt. Ok, ich weiß, das ist sicherlich auch kein schlechter Platz für einen Geisterhausfilm, jedoch wirkt das Ganze hierbei so schrecklich abgefranzt und unglaublich unästhetisch.

Ums kurz zu machen: Der Film sieht einfach grottig aus. So ganz innenarchitektonisch gesagt. Ok, eine Anstalt sieht so aus, da der Großteil aber darin spielt also auch der Film. Wollen wir jedoch konstruktiv fortfahren, jedoch entwickelt "Haunted Hill" zumindest anfangs noch einen spürbaren spielfreudigen Charme, der sich in seiner grotesken wie grellen Aufmachung und einigen parodistischen Elementen widerspiegelt. Hat fast was von einer Karikatur. Zur Story, die ist wie vieles hier, einfach gehalten: Ein Millionär und Freizeitparkbesitzer lädt zum makaberen Geburtstag seiner Frau zur Party in einer alten Irrenanstalt ein, wer eine Nacht in diesem Haus verbringen würde, bekäme 5 Millionen Dollar. Nettes Angebot, bloß wäre es nur so einfach. Gibt wieder Spooky-Zeug und böse, böse Geister ohne Motiv. Nur Rache, die letztlich keine Zweifel lässt: Hier gibt es Logiklücken.


Zugegeben ich könnte diesem Film noch etwas abgewinnen, wenn ich das nicht eh schon tue, wäre diese Irrenanstalt an sich nicht so unbeschreiblich hässlich und grässlich ausgestattet. Schön ist ja die Idee eines Schlachterhauses, das umfunktioniert wurde zur Irrenanstalt, aber das ist einfach nur verwässsert und stilistisch des weiteren unzumutbar. Solche Orte müssen Stil in sich tragen und man sollte sich nicht fragen, ob das Ding ein stilistischer Abfalleimer war. Ein paar ansprechende Orte gibts im inneren dennoch, zu meiner Überraschung. Oder vielleicht sind es auch nur diese Räume, die Geoffrey Rush als schelmischer Millionär erleuchtet mit seiner Spielfreude. Sein Spiel ähnelt tatsächlich einer Karikatur, was ihm aber in der Rolle des Steven Price einen besonderen Charme gibt und nicht nur weil dies eine Referenz auf Horrorlegende Vincent Price ist, vor welchem sich Rush nebenher gesagt zudem ehrwürdig verneigt und so sind Parallelen zu den beiden keinesfalls zu leugnen.

Hingegen Famke Janssen als Geburtstagkind mit Hassliebe zum Manne eher desinteressiert agiert und der Rest des Cast, den hab ich schon wieder vergessen - wobei die Figuren an sich unsympathisch und blass bleiben. Ein Twist wird darin auch vermittelt, der wirkt dennoch konstruiert und irgendwie diffus am Abschluss eingefügt. Zufall. Vorher wird noch mit netten Stilmitteln (Licht flackert) hantiert, daneben Steinzeitgrusel, ein bisschen Übernatürliches, eine Crimestory und doch überraschend wenig Grusel. Die Minuten verstreichen, dennoch bleibt eine gewisse Leere im Inneren. Auch wenn er zwischendrin durchaus kleine, nett gemachte Gruselszenen bietet, auch mit Hilfe schräg eingesetzter Kamerafeldzüge, wobei der Film selbst auch nie höchstens über dieses Attribut hinwegschreitet, sondern eher auf einer unspektakulären Metaebene herumkreist.  Wenigstens gegen Ende hin nimmt der Film dann, trotz seiner offensichtlichen Banalität und Twistsucht, Tempo auf und erzeugt auch trotz potenzieller Hässlichkeit Spannungsgefühle, außerdem finden so die passablen Effekte ihren Weg in den Film, mit leichter Tendenz zur etwas namens Atmosphäre.




Und irgendwie, ja ich weiß nicht wie, hatte man doch das Gefühl einer platten Metzteltour, ohne derweil dessen Gedanken zu verfolgen, beizuwohnen. Auf die Ohren gibt es dann einen Mix aus verschiedenen Sujets von Orchester bis elektronischen Klängen - gut gemacht in Anbetracht des Films passend und sonst belanglos. Wenn wir also davon absehen, dass diese Irrenanstalt schon von vorneherein ein Schandtat der Stilisierung darstellt, bleibt "Haunted Hill" trotzdem ein recht uninspirierendes und verrostetes Horror-Filmchen, was vielleicht allein durch Geoffrey Rush oder seine angespitzten Formen von Humor zu gefallen weiß. Freudiger Kapitalismus manifestiert sich am Ende und so hoffe ich es würde mir niemand verdenken, wenn ich hierbei die Fortsetzung meiden werde.



3.5 / 10

Autor: Hoffman

Kommentare:

  1. Wenn Du "Haunted Hill" schon nicht magst, den ich persönlich recht sympathisch fand, dann ist es eine äußerst weise Entscheidung von Dir gewesen die Fortsetzung zu meiden, die tatsächlich unter aller Sau ist! Und ich bin im Horror-Genre nun wirklich leicht zufrieden zu stellen. *g

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    1. Naja bei mir läuft Horrorkino auf größtenteils zwei Ebenen hinaus, Metaphern und Kulisse, das HH beides nicht. ;) ich bin bei Geisterhausfilmen eh sehr anspruchsvoll was meine Kulanz etwas untermauert, wenn ich dann so etwas uninspiriendes von Struktur und Gestaltung zu Gesicht bekomme. Und ich verspreche dir, den werde ich meiden. Der hat ja auch keinen Goeffrey mehr. Da revidiert sich dann alles.

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    1. Sind denn dann auch Nostalgiewerte damit verbunden?;-) Wenngleich ich damit etwas harsch urteile, eine reichlich schlechte Wahl, im besonderen da es im Genre gar so viele wunderbare Auswüchse gibt, die goutierbarer und stilvoller sind. Wobei ich nicht wüsste wie ich ihn bewerten würde, wenn es so wäre. ;-)

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