Mittwoch, 11. April 2012

Die Bestie lernt das beißen nicht - Kritik: Wolfman



Wie ich das glaub ich bereits öfters betonte oder gar preisgab. Ich bin kein Fan von so genannten meist recht einfallslosen Projekten, die solch Status tragen wie das Wort Remake. Da diese wie gesagt meist nur im Sinne der Ideenlosigkeit kaum zu übertreffen sind, in heutigen Zeit jedenfalls. Obwohl ich nicht leugnen will, dass es insofern auch positive Vertreter gibt. Diese Sätze sind altbekannt wie sicherlich zeitweise schrecklich einseitig meinerseits. "Wolfman" aus dem Jahre 2010 war für mich aber solch ein Film, bei dem ich mich damals tatsächlich auf ein Remake freute, da der Wolfsmensch-Stoff doch im Gegensatz zu seinen Genrekollegen wie Dracula doch noch viel Potenzial bietet. Ganz im klassischen Sinne selbstredend. Und zudem die letzte traditionelle Verfilmung des Stoffes auch ein Weilchen her sein sollte. Und dennoch unterzog ich ihm keine genaueren Beobachtung bis jetzt jedenfalls - seltsam auch wenn der Regisseur Joe Johnston heißt, obwohl dieses Unterfangen wieder erklären würde.



So seie meinerseits gesagt, dass der Wolfsmensch-Stoff im Mindesten so interessant ist wie jener eines Dr. Frankenstein oder eines Blutsaugers namens Dracula, denn wie ich finde stand gerade diese Grusellegende immer im Schatten jener anderen Wesen. Deshalb freute ich mich, nur so nebenbei. Johnstons Variation hält sich zudem an den klassischen Gruselstoff und verlegt seine Handlung somit in das viktorianische England, das verspricht Stil. Behält die Grundidee bei, aber variiert dabei doch in Hinsicht des Verlaufes der Handlung - hier möge jeder selbst entscheiden, ob das gut oder schlecht sei. Und so kehren wir gemeinsam mit dem Adeligen Lawrece Talbot zurück in seine Heimat, in welcher sein Bruder unter mysteriösen Umständen starb. Die Sage eines Wolfsmenschen geht um, Talbot geht dieses Ereignissen nach und wird so letztlich von einer wilden Bestie gebissen und das Spiel nimmt seinen Lauf, ganz im Sinne des traditionellen Gruselstoffes. Das gefällt noch.



Da ist man anfangs beileibe mehr als positiv überrascht, wenn Johnston den klassischen Konventionen der Hammer-Studios folgt. So trägt der Film doch sein altmodisches Gewand (hierbei positiv zu nehmen) sehr stilvoll und wirklich bewundernswert. Traditionelle Mittel finden erneut wieder ihren Einsatz, ob der bezaubernde Nebel und die unheimliche Bedrohlichkeit, die in den Schatten der Wäldern liegt oder etwa das viktorianische Herrenhaus - auch stilecht gestaltet - das freut. »Old-School«-Grusel im guten Maße. Und so spürt man in Hinsicht des Geruches hier steigt Atmosphäre auf, auch wenn mir der Film insofern auch in Hinsicht des Stiles viel zu glatt poliert insgesamt wirkte, was sich besonders in der zweiten Hälfte wiederschlägt. Zunächst aber gemächlich erzählt, mit einem gewissen Reiz gegenüber der Handlung - wenn auch weit weg von der »Absolution« des Themas - es wirkt an sich geschlossen und stimmig. Doch spätestens bei der ersten Verwandlung des Wolfsmenschen schlägt die Stimmung schlagartig um und insofern verliert sich schnell die Qualität des Werkes. Mit dem Holzhammer werden Elemente wie »subtile Erzählung« vollkommen ausradiert. Johnston schlägt ab da brachial auf seinen Film ein, entlädt die Actionszenen und will es so anscheinend anscheinend noch anheizen mit Blut, dies wirkt jedoch hemmend auf das Werk. Denn es heißt Arrivederci mit der schönen Atmosphäre. Und ab dann verfällt der Verlauf des Ganzen gar ins belanglose, irgendwie bemüht würde ich sagen, es wird teils arg hektisch hantiert. Letztlich mündet das Ganze dann in eine für mich in einem absolut abstrusen wie auch absurden Showdown der großen Effekte, die ich keinesfalls als schlecht empfand, dennoch als unpassend wenn man sich auf klassische Gruselelemente stützen wollte und den Film im abschließenden Teil damit nur überlädt und ab da keinen Moment mehr »Timing« besitzt. Lobenswert ist aber immerhin noch hervorzuheben die stets stilvolle und unheimliche, ja selbst wenn aus Johnstons Inszenierung brachial wird, musikalische Untermalung von Danny Elfman. Außerdem eine schicke Ausstattung. An sich verzückt natürlich die exquisite Besetzung des Films, welche ein Remake fast wieder rechtfertigt neben dem anderen genannten Hintergrund, dabei darf Benicio Del Toro den innerlich zerrissenen Lawrence Talbot routiniert mit traurig-bedrückten Blick, wodurch er seiner Figur gar eine gewisse Tiefe verleiht, mimen, passend besetzt. Emily Blunt (unterfordert) darf die tragische Liebe und die ehemalige Verlobte von Lawrence Brudersgeben, zu der Talbot auch eine gewisse Beziehung aufbaut. Erstaunlich ist auch Anthony Hopkins im Cast wiederzufinden, er operiert im Off-Modus, dennoch bemerkenswert hierbei ist das Hopkins selbst in jenem Modus seiner Figur des von ihm dargestellten kauzigen Sir John Talbot hintergründiges verleiht und ein unheilvolles Charisma miteinfließen lässt. Faszinierend. Währenddessen mir die Rolle Hugo Weavings am schlechtesten charakterisiert schien, trotzdem ich mag Weaving und immerhin agiert er solide und macht wie immer das beste daraus. Um es so zu sagen die einzelnen Charakterisierungen ließen für mich deutlich zu wünschen übrig, auch wenn man sich sicher bemühte, aber so würde ich sie eher dem Durchschnitt zuschreiben, wobei hier die gekonnten Darsteller Abhilfe leisten.




Letztendes bin ich doch enttäuscht. Anfangs noch so wunderbar altmodisch und stilvoll, im späteren Verlauf dann aber nur noch zu gewollt-spektakulär und dadurch auch irgendwie lächerlich mitanzuschauen und besonders abschließend - wie man mir bereits prophezeite - fast ärgerlich-banal. Insofern wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen. Zudem trübt dieser unausgegorene, moderne Blockbusterbeigeschmack, der sich meiner Meinung nach deutlich auch nochmal in der zweiten Hälfte wiederschlägt. Wenigstens nette Stars im viktorianischen England und Rick Bakers Masken sind keinesfalls schlecht mitanzusehen. Trotzdem eben wie gesagt zusammengefasst eher mittelmäßig und nicht wirklich bissfest umgesetzt.


5.0 / 10


Autor: Hoffman

 

Kommentare:

  1. Genau so empfinde ich auch. War damals mein erster FSK 16 Film, den ich im Kino gesehen habe. Ein völlig banaler Film, den niemand braucht.

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  2. Danke für die Zustimmung!:) Und das ist insofern schon doof - bei solch fast epochalen Moment der Jugend. An sich leider misslungen und damit auch absolut entbehrlich. Naja der Directors Cut soll besser sein - bezweifel ich aber...

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