Dienstag, 5. Februar 2013

Fassbinder Retroperspektive # 5 - Klassiker der Extraklasse: Die Ehe der Maria Braun (1979)



»Ich möchte nicht, dass Sie denken, Sie haben was mit mir. Denn die Wahrheit ist, dass ich was mit Ihnen habe.« - Die "Die Ehe der Maria Braun" repräsentiert eigentlich einen der populärsten und bekanntesten Filme von Fassbinder, nicht nur weil dieser einer seiner größten Erfolge darstellte, sondern weil dieser auch für den Oscar nominiert wurde. Vielleicht mag er somit auch eines von Fassbinders zugänglicheren Werke bilden. Im Mittelpunkt, wie es hätte es anders sein können, eine resolute Frau, "Die Ehe der Maria Braun", Fassbinders Beginn der legendärer BRD-Trilogie.



Obgleich Fassbinders BRD-Trilogie an sich von starken Frauen berichtete. Fassbinders Emanzipierungsidee ist stets dahinter und so lässt die "Die Ehe der Maria Braun" eigentlich in beispielhafter Manier als Aufstiegs und Fall-Geschichte einer »Self-Made«-Frau bezeichnen, die sich ohne Rücksicht auf Verluste ihren Weg in die höheren Kreise verschafft und doch letztlich deren einzige und innere Sehnsucht nach tieferen Glück oder Liebe unerfüllt bleibt. Von einer glänzenden Hanna Schygulla energisch und authentisch verkörpert, welche mit Hilfe dieses Fassbinder Films auch der Durchbruch gelang.


Genau solche Darsteller brauchte Fassbinder um Großes zu kreieren. Das ist sogar ein symbolischer Fassbinder, bei welchem er die Metaphern nur so schwingen lässt, wie ein Krieger seine Axt. Für Fassbinder somit wird seine Maria Braun glatt zur Symbolfigur der jungen BRD, die ihren Aufstieg erlebt oder um etwas reißerisch zu meinen wird sie gar zum "Wirtschaftswunder" selbst. An sich verteilt hierbei Fassbinder Metaphern äußerst sorgfältig in seinem Film, voller kleiner Falltüren, Brechungen und Symboliken, obgleich Fassbinder hier überraschend linear und straff bleibt, was ihn wiederum aber nicht daran hindert seine unkonventionellen Stilmittel mit einzuflechten und trotzdem lässt sich "Die Ehe der Maria Braun" letztlich doch als Chronik betrachten, die in Nachkriegszeit einsetzt. Was Fassbinder hier scheinbar Anschub gab war wohl eine Rekonstruktion der Zeiten seiner Kindheit. Seiner persönlichen Sichtweisen und Aussagen und so schafft er es eine völlige Symbiose zwischen sowohl Musik, als auch von Kamera, Dialog und Ton, besonders letzeres Stilmittel verwendet Fassbinder symbolisch auch mitunter am deutlichsten in seinem Film  und fängt so die Stimmung der Nachkriegszeit glaubwürdig ein - nicht nur weil Ballhaus an der Kamera dazu mal wieder seinen Teil beträgt mit seinen kraftvollen Bildern und ihren präzisen Bewegungen, sondern weil es Fassbinder selbst schafft die feinen Details seines Films stets deutlich zu machen.


Fassbinders Stammrieg ist dabei, dieses Mal unter anderem mit Kaufmann, Lamprecht, Gottfried John, Claus Holm und auch Löwitsch findet seinen Platz. Fantastisch! Und im Mittelpunkt die Schygulla als Fassbinders Identifikationsfigur der Maria Braun. Und ansonsten gibt es auch wieder die mittlerweile bekannten Stilmittel Fassbinders: In Spiegeln wird reflektiert, in kleinerer Verwendung, während man auch gleichzeitig immer die Distanz zu den Figuren mit der Kamera wahrt, aber so differenziert sie abzeichnet, dann wird der Sirk geheiligt (ja ich find das toll) und Peer Raben als Stammkomponist zählt auch einfach mal so inflationär dazu. Auffallend dabei ist auch die teils überraschend humoristische (manchmal etwas screwballartig) und ironische Seite des Films, womit Fassbinder wie immer natürlich auch einen gewissen Zynismus mitbringt und kritisch mit der Adenauer-Ära und dem "Wirtschaftswunder" ins Gericht geht - wie er das später auch in seinen Fortführungen der BRD-Trilogie tat, um ein Beispiel zu nennen.



Im Gegensatz dazu wären aber auch Fassbinders markante, wenn auch teils charmante Schwächen (wenn man sie denn als solche bezeichnen würde) vorhanden.Damit sind in gewisser Weise die klischeehaften Attribute seiner Figuren, obgleich es für Fassbinder sicherlich immer noch symbolische Abziehbilder der Gesellschaft sein sollten oder eben die sehr künstliche Aufmachung des Ganzen, was ich aber heute nicht mehr als Schwäche des Films abtun würde, gemeint. Aber lassen wir Fassbinder, Fassbinder sein. Eigenwillig ist das ja und dann legt der Meister selbst einen schmierigen Cameo hin, der vielleicht sogar metaphorisch gemeint ist. Besonders die Zigarette als tragisches Element der eigenen Sehnsucht und dem Verlust findet großen Gefallen. Das dramatische und kunstvolle Melodram des Rainer Werner Fassbinder, klingt doch austauschbar. Nun gut: Antonioni und Godard machen es vor. Daher: Und wie jeder gute Film endet auch "Die Ehe der Maria Braun" mit einer Explosion als Scheitern gesellschaftlicher Ambitionen und Hoffnungen.



8.0 / 10

Autor: Hoffman

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