Donnerstag, 20. September 2012

Die zeitgeistige Zersträubung des Materialismus - Klassiker der Extraklasse: Zabriskie Point




Achtung: Kurze Zwischenmeldung heute feiert dieser Blog sein einjähriges Bestehen. Danke für ihre Aufmerksamkeit, zu was anderem: Wie lässt sich eigentlich eine solche Form des Kinos beschreiben. Solch eine wie sie Regisseur Michelangelo Antonioni drehte. Es ist sicherlich besonderes Kino, was Antonioni stets mit seinen Filmen erschuf, obgleich oftmals auch verfremdet und teils recht sperrig so meine Auffassung. Bestes Beispiel dafür bildet sein Werk "Blow Up". - Ich mag sie trotzdem. Das ist kein Merkmal, ich mag schließlich alles. - Als Ausbruch seiner ofmaligen Unkonventionalität und eigenwilliger Filmsprache. Erfolgreich immerhin auch seine Entfremdungs-Trilogie. An sich muss ich sagen, dass ich es fast ironisch finde, dass hingegen einer seiner zugänglicheren Werke - "Zabriskie Point" aus dem Jahre 1970 - floppte und man Antonioni sogar mit Klagen drohte - was heutzutage nicht daran hindert ihn als Kultfilm seiner Generation zu sehen. Sichtlich ist Antonionis Film dabei ambitioniert in seiner Absicht. Thematisch beweist Antonioni erneut Zeitgeist und thematisiert die Studentenbewegung in den späten 60er und frühen 70er Jahren. Und der Ausgangspunkt des Films: Der Zabriski Point im Death Valley.



Beginnend: Politische Diskussion. Man überlegt. Man berät. Man knobelt. Was kann man verbessern? Wie kann man verbessern? Interesse, ja. Zeitlicher Kontext? Sicher - ist ja Antonioni. Konträre Meinungen treffen aufeinander. Ideen werden gesät. Der Idealismus stürmt den Saal. Ein Umschwung. Eine Revolution von unten. Der »Wind of Change« hält Einzug. Es liegt eine Veränderung in der Luft. Das Klima wechselt. Doch einer verzweifelt. Reden? Einzig nur reden? Es müssen Taten folgen. Man erläutert: Zuerst muss die Kommunikation erfolgen. Doch er will nicht hören und begibt sich auf eigene Spuren in die Freiheit. Die Distanz zur Gesellschaft - das Ziel. Zum Schutz: Eine Waffe. Der Fehler im System. Der Polizist, der dadurch seinem Ende entgegen sieht. Er (Student Mark) wollte doch nur die Proteste verteidigen. Es kommt, wie es kommen musste.

Einzige Lösung: Die Flucht. Der Plan vollendet - weg von der alten Gesellschaft. Weg vom widerlichen, omnipräsenten Konsum der Gesellschaft. Weg von der Einengung von Wahl und Werbung. Freiheit! Auf ins neue Schaffen mit geklauten Flugzeug. Eigentlich hat das rein vom Grundschema somit etwas von Godard und seinem »Außer Atem«, doch Antonioni ist kein Godard. Wo Godard die Wildheit und die pure freie Emotion und die Konventionen auf die ungewöhnlichste Weise bricht, bleibt Antonioni insofern sogar überraschend subtil für mich. Im Grunde ist das einzige, was Godard und Antonioni hierbei verbindet die eher haltlose Story des Ganzen und trotzdem komme ich nicht ohne weg Godard hierbei zu erwähnen und einem Vergleich zu seinen Filmen zu kreieren - vielleicht auch nur um eine Idee von seinem Ausmaß zu haben.

 


 Ich finde es durchaus faszinierend wie Antonionis Film doch fast über die gesamte Laufzeit so ruhig und unaufgeregt daherkommt, fast  still und voller schweigender Momente, trotz gewissem Antrieb durch die Handlung. Natürlich filmt Antonioni detailliert und studiert jede Szene äußerst ausführlich. Es scheint als schärfe er von Moment zu Moment seinen Blick auf seine Protagonisten, wo der Anfang noch leicht illusionierend wirkt , mag später  "Zabriskie Point" zwar eigensinnig in seiner Umsetzung sein, aber durchaus zugänglich. Selten, wie ich meine, bei Antonioni. Mit Kaptialismuskritik und kleiner Liebesgeschichte, wenn auch wesentlich unerheblicher als gedacht und wesentlich konstruierter gehandhabt  in der abrupten Gestaltung der Beziehung und der zufälligen Zusammenkunft von Student Mark und der Angestellten Daria, welche in der Wüste aufeinander treffen, sich verlieben und sich darauf für kurze Zeit ihre eigene Gesellschaft erschaffen. Schlag auf Schlag.


Der Aufbau einer eigenen, unabhängigen Gesellschaft. Eigene Regeln und die freie Liebe regieren. Ungestüm und frei - wenn auch die Dialoge öfters hölzern - isoliert in ihrer eigenen kleinen Welt, in der Wüste. Ausgeprägt auch Antonionis Bildsprache. Im Grunde auch der Fokus des Films. Man könnte sagen, dass Antonionis Film einzig auf diese Bildsprache aufbaut. Ein visuelles Fest in seiner vollkommener Natürlichkeit und Schönheit. Die Wüstenbilder im apokalyptischen Gewand und von eindringlicher Kraft kunstvoll inszeniert und gefilmt. Berauschend und fast schon hypnotisch von der Bildsprache. Von poetischen Mehrwert, stilistisch nur als herausragend zu bezeichnen. Jedes Bild scheint eine Metaphern (mehr eine Chiffe) für sich zu sein und jeder präzise Moment ein Symbol der Zeit.

 

Problematik: Antonioni verlässt sich allein auf die Bildersprache, was ich nicht durchweg als vorteilhaft betrachten würde. Die Story lässt sich gerade noch so  als roter Faden bezeichnen, der sich durch den Film zieht und wie erwähnt sich dem Zeitgeist der späten 60er Jahre nährt und der 68er-Bewegung. Die Story ist im eigentlichen Sinne nur eine Idee. Dazu dienen Antonioni die Charaktere als Metaphern oder Deutungsansatz bestimmter Klischees. Überfrachtet. Doch revidiert sich alljenes durch das Gefallen. Denn hier ist die Individualität des Zuschauers gefragt. Selbstredend ist das keineswegs zu verachten, doch sind diese dann nur in Hinsicht der Symbolik zu betrachten, auch wenn das teils durchaus faszinierend sein mag: Stichwort: Rod Taylors in adäquater Bürochefrolle mit Anzug und Krawatte. Antonioni fokussiert sich damit allein auf seine Bildsprache und die Frage ist: Genügt dies in Kombination mit dem Zeitgeist des Films? Das möge jeder für sich entscheiden. In dieser Hinsicht wird Antonionis "Zabriskie Point" dennoch zu einem Erlebnis - mit dem Zeitgeist seiner Generation behaftet. Deswegen vielleicht auch gebunden. In gewisser Weise war das aber schon immer an Antonionis größtes Problem, das die größte Stärke (der Zeitgeist seiner Filme) anbei heutzutage vielleicht sogar seine größte Schwäche ist. Immerhin. Doch sollte man nicht diesem Werk entsagen, erst recht nicht durch das große Finale samt Explosion auftrumpft, auch hier Godard im Hinterkopf. Eine Explosion des Schweigens - Pink Floyd  nie passender gewählt. Ein Ausbruch. Das Scheitern der eigenen Gesellschaft und zugleich der Untergang des Materialismus in ästhetischer Perfektion, während die Sonne am Horizont versinkt. Sachbeschädigung darf wieder Spaß machen - aber nur bei Antonioni. Kann es etwas schöneres geben?



7.5 / 10

Autor: Hoffman










Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen