Freitag, 11. Mai 2012

Das Gesetz des modernen Dornröschen - Kritik: Cop Land



»Niemand steht über dem Gesetz« - und erst recht niemand, wenn der Mann hinter den Ermittlungen Sylvester Stallone heißt. Der große Actioner und Revolutionär des Testosteronkinos der 80er Jahre. Den mag doch irgendwie jeder. Naja, dies möge nicht ganz der Wahrheit entsprechen. Dennoch, ich mag den. Sympathischer Brocken, er war Rocky, er war Rambo, er war Tango und er war irgendwann der Typ, unter dessen Regie John Travolta einst in den 70ern sich zu Grunde schauspielerte. Aber er war auch Freddy Heflin. Doch besonders dieser Stallone war anders als all die anderen vor ihm. Naja bis auf einen. Aber das ist schematisch gedacht. Das mag zunächst daran liegen, dass hierbei Stallone auf eine seiner großen Megagagen verzichtete, um so letztlich unter Beweis zu stellen, dass er mehr ist als ein bloßer Star des großen Testosteronkinos, der es krachen lässt. Einmal etwas anderes machen. Mal kein brutaler, furchtloser und kompromissloser Actionheld sein. Diese Chance bot ihn dann letztlich James Mangold´s (nebenher sympathischer Kerl) "Cop Land" aus dem Jahre 1997. Er wollte es doch alles beweisen. Das ist purer Pathos meinerseits, ja ich mag das.


Er kann es also doch. Und das sogar sehr bedächtig. Immerhin ist es erstaunlich wie sich Action-Sly doch für die Rolle an futterte, ja erstaunlich. Kaum zu glauben, wir hantieren mit Ultralativen. Und zunächst alles andere als ein Sly-Klischee, die Rolle des Freddy Helfin, die Rolle eines zurückhaltenden und halbtauben Verlierers, einer tragischen Figur also. Aha! Und Stallone meistert diese so überraschend, wie es scheinen mag, sogar mit Bravour, er verleiht seiner Figur eine gewisse Ruhe und Gemächlichkeit bei der Interaktion, sogar melancholische Blicke werden geschweift. Faszinierend sein Spiel zu betrachten, so sensibel und präzise. Ziemlich Rocky-Like. Das ist Stallones große Show. Wobei sich Regisseur Mangold eigentlich altbekannten Themen der Korruption und der Moral nähert, zugleich eine Charakterstudie, eines Mannes, der nicht sehen will, was die Wahrheit in uns bürgt und so seine Augen verschließt vor dem was geschieht, und doch er als Sheriff. Einer, der blind gehorcht. Und keine Zweifel sieht. Wie gesagt meinerseits beileibe nicht wirklich neuartig festgehalten, aber doch intelligent angepackt von Mangold, wobei der in der Entwicklung seiner Handlung sein Dornröschen (Sly) erwecken lässt, durch einen entschlossenen Infernal Affairs-Beamten (routiniert: Robert De Niro), der ihm die wahre Seite seines Gesetztes zeigt und die Korruption der Großstadtcops, welche in finstere Machenschaften verstrickt und er beginnt zu verstehen (»Ich sehe diese Stadt und es gefällt mir nicht mehr, was ich da sehe.«). Allseits glaubwürdig von Stallone präsentiert, wobei er dabei auch tatkräftig im Sinne der Nebenrollen unterstützt wird, neben De Niro so auch clever besetzt Harvey Keitel (wieder vereint) als stilistisch alte bekannte und zugleich Feinde auf anderer Seite. Keitel wie immer grandios-abgründig. Zugleich eine gewitzte, kleine Referenz in Bezug auf Scorsese und seine Filme. Und dann noch Ray Liotta? Robert Patrick? Man fällt vom glauben ab. Der Cast im aller feinsten Maße und absolut hochkarätig. Nun beginnt Helfin letztlich zu verstehen und bricht die Mauer des Schweigens und fordert Taten seinerseits, insofern steigert es Mangold konsequent bis zum Höhepunkt des Ganzen, welcher in bester Manier des Western Shoot-Outs inszeniert wurde, und lässt das dramatische und impulsive Finale dem Zuschauer emotional nahegehen, auch in Bezug auf den Charakter Stallones, so meine Meinung jedenfalls dazu. Neben diesem letzten doch recht in Bezug des Tempos angehobenen Finales zeigt sich "Cop Land" dennoch doch eher von einer gemächlichen wie auch ruhigen Seite, man beleuchtet Charaktere, die zwar auch nicht gerade makellos scheinen, aber doch zufrieden stellen, besonders dank der exzellenten und glänzenden Darsteller, die über den ein oder anderen Makel hinwegsehen lassen. Ein wenig zu glatt oder zu teils doch etwas zu simpel mit der Thematik abgerechnet. Andererseits ist aber auch das Zufallsprinzip meiner Wenigkeit etwas zu häufig gesät um bestimmte Faktoren ins weitaus bessere Licht zu rücken und erneut mehr Sympathien zu ernten, doch das ist im Grunde für mich insofern auch eher nebensächlich. Denn dadurch besticht er immerhin in seinen vielen starken Sequenzen, zudem für mich auch spannend gehalten. Dies überraschte mich besonders bei letzterer Sichtung, selbst zu später Stunde faszinierte man mich erneut und fesselte mich bis zum Schluss. Präzise Spannung. Außerdem der Soundtrack fein gewählt, Springsteen, obgleich natürlich auch der Score von Howard Shore passend dazu komponiert wurde und so auch durchaus förderlich ist.


Immer wieder aufs neue, gern geschaut. Auch wenn Mangold dabei mit kleinen, konventionellen Schwächen zu kämpfen hat, doch insgesamt vermag sein Film zu überzeugen. Vielleicht auch gerade wegen seiner hervorragenden Darstellerliste, aber es bleibt Stallones große Show, in dem er gelungenermaßen beweist, dass er mehr kann als den raubeinigen Actionstar zu mimen, hierbei sogar mit Tiefgang. Faszinierend. Ja, das macht "Cop Land" so auch zu einem mehr als bewundernswerten Kraftakt seitens Stallone, der mich so auch immer wieder aufs neue in seinen Bann zerrt wie ich es hier schon so oft meinte. Doch es überraschte mich letztens wirklich überaus. Klingt seltsam, verständlicherweise ist der Film eben gehobene Sly-Klasse.



7.5 / 10

Autor: Hoffman

Kommentare:

  1. SCHTALONE-Fan, hab' ich Recht? ;)

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    1. Naja mal mehr mal weniger. Aber so richtig eher nicht. Jedenfalls habe ich noch keine Statur von ihm gebaut. Kommt jeweils auf die Rolle an. Wobei die ja recht gleich sind beim Actionsly. Aber diese hier ist eindeutig eine meiner liebsten, auch weil De Niro und Keitel neben ihm agieren. Und ja von denen bin ich Fan!;)

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  2. Also ich bin "Schtallone"-Fan und ich würde dem Film noch einen Punkt mehr geben.

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    1. Naja das kann amn recht ambivalent betrachten.^^
      Ich mag ihn, aber Fan ist solch schweres Wort. Zum Film aber: Hatte zunächst auch überlegt, ob ich ihn nicht noch um 0.5 Punkte abwerte, aber auf die 7,5 passt. Immerhin weil einiges zu schmal wirkt im Aufbau, aber über Sly gibt es hierbei jedenfalls kein schlechtes Wort zu verlieren. :)

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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