Dienstag, 27. März 2012

Alte Schinken Edition: Gambit - Das Mädchen aus der Cherry-Bar


»Gambit«, schon mal von gehört? Selbstredend außerhalb des Schachmilieus. Eher nicht oder? Wenn doch wäre ich des weiteren positiv überrascht, trotz der drei Oscar-Nominierungen, die dieser Film erhielt. Kennen dürften ihn trotzdem die Wenigstens, jedenfalls bis jetzt. Denn wie das Schicksal so spielt wird wieder fleißig »geremaked«, das heißt uns erwartet nun also baldauf eine Neuverfilmung des Stoffes, sogar von den Coen-Brüdern. Insofern würde ich das fast als gute Idee bezeichnen, zwar ist das Original keinesfalls schlecht, doch der Film unbekannt genug, um wenigstens ein Remake zu rechtfertigen. Kommen wir aber von jenen eher zu den Fakten des Originalfilms "Gambit" von Ronald Neame aus dem Jahre 1966.


Zunächst beweist man dabei noch echten »Style«, gleichauf mit einem mysteriösen Charme und edler Verzierung und alles perfekt, zu perfekt im Sinne der Handlung und der Clou zu schnell verspielt. Denkt man, denn gerade im ersten (von vielen) Schachzügen enthüllt "Gambit" seine Intelligenz und so ist der Beginn mehr oder weniger, ein gelungenes, aber langgezogenes Intro mit Stil und alles gewesene zeigt sich als ausgeklügelter Gedankengang, es war zu schön um wahr zu sein. Und so muss Dieb Harry Dean schnell erkennen, die Realität zum perfekten Verbrechen, die kostbare Skulptur eines Multimillionärs zu stehlen, ist schwerer als gedacht. Witz findet man wieder, in dem der Gedanke ins ad absurdum geführt, allein in Hinsicht der Tänzerin Nicole, welche man sich schweigsam dachte, entpuppt sich als freundliche und gelehrte Nervensäge (bezaubernd: Shirley Maclaine) und dahin ist das Mysterium, welch Tragik. Ein junger Michael Caine zudem mittendrin, mit viel Style und Stil, zum gern haben, zunächst noch elegant-kühl, später (durch Nicole) genervt, aber Caine bleibt cool, versucht es jedenfalls. Weiteres Problem: Der Multimillionär (mit viel Freude und einer spürbaren Gelassenheit spielend: Herbert Lom) ist kein isolierter, einfältiger und altmodisch-kitschiger Trauernder, sondern ein echt moderner Mann der Zeit, mit einem Faible für High-Tech-Spielereien und bewandert in vielen Lebenslagen. Es wird brenzlig. Und so lebt Neames Film selbstredend von seinem leicht verdaubaren und spritzigen Humor, und der überraschenden Umstellungen der jeweiligen Situationen, dies alles meistert man klar in einer deutlichen Eleganz und einem hohen bzw. peppig-freudigen Unterhaltungswert mit ironischen Einfügungen, wobei besonders das Zusammenspiel des Trios Caine-/MacLaine-/Lom Freude bereitet.


Des weiteren noch geschliffene Dialoge, damit der Film sauber fließt und eine besonders charmante Farbenpracht in Hinsicht der exquisit gefilmten Bilder, passend untermalt von den Klängen des Scores eines Maurice Jarre, stimmig-schön gestaltet. Der große Clou ist wie so oft bei Heist-und Gaunerkomödien, der Trick. Die Wendung, der abschließende Twist und den beherrscht Neame mit Bravour, gespickt mit vielen davon und so stets wendungsreich im Erzählstil und letztlich hervorragend bis zum Schluss durchdacht, schlau und gekonnt inszeniert, auch wenn neben den vielseitigen Wendungen, die eigentliche Handlung eher unspektakulär daherkommt, was zählt ist Stil, doch so ist "Gambit" ein gelungenes, entspanntes und stilvolles Amüsement mit einem exzellent aufspielenden Star-Trio. Da darf man gespannt sein, was uns sonst noch die Zukunft bringt.



                                             7.5 / 10

Autor: Hoffman

Kommentare:

  1. »Gambit«, schon mal von gehört? Selbstredend außerhalb des Schachmilieus. Eher nicht oder?

    Aber ja doch - vor 10 Tagen im Nachtprogramm der ARD (nur ohne "Gambit" im dt. Titel). :-Þ

    Deiner Bewertung des Films schließe mich mich an. Wirklich ein solides Gaunerstück, und die Sache mit dem Unterschied zwischen Theorie und Praxis war sogar ein Knüller. Man fragt sich, wann Shirley endlich mal was sagt, und dann das ...

    Nach dem doch eher mäßigen LADYKILLERS von den Coens habe ich an das Remake nur gedämpfte Erwartungen.

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  2. Gut, das ist keinfalls schlecht gekontert und da mir der Film bis dato nur unter dem Titel bekannt war bzw. der Coen Film genauso heißt. ging ich erstmal vor dem Titel aus. ;-)

    Ich bin beim Remake eigentlich ganz zuversichtlich, Firth, Rickman. Das ist passt schon mal. Auch wenn Ladykillers Hanks hatte. Dennoch ich bin optimistisch, bin ja auch Fan der beiden. :)

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