Mittwoch, 24. August 2016

Agatha Christie trifft auf Jacques Demy - Kritik: 8 Frauen (2002)


Wenn man »8 Frauen« so sieht, dann könnte man beinahe auf den Gedanken kommen, dass Francois Ozon ein verlorener Sohn Jacques Demys wäre, denn unverkennbar steht »8 Frauen« in seiner Tradition. Es ist ein in prächtige Farben und Dekors getauchtes und schwungvolles Musical, das von seinem Frauen-Ensemble (Ozon fährt damit große Namen des französischen Kinos auf: Catherine Deneuve neben Fanny Ardant oder Danielle Darrieux neben Isabelle Huppert) geführt wird, eine Familie und ihre Angestellte, die zu Weihnachten in einem Landhaus aufeinandertreffen, eingeschneit und damit abgeschnitten von der Welt. Der einzige Mann, ein Vater, Bruder und Ehemann ist in seinem Bett ermordet worden. Sein Gesicht tritt nie in Erscheinung und trotzdem hängt seine Gestalt, im Grunde die des großen Unbekannten, über diesem ganzen Szenario, das damit auch zwangsweise entfernt an Fassbinders (der schließlich auch eines der Idole Ozons ist) »Die bitteren Tränen der Petra von Kant«. 


Ozons Film ist ein burlesken und glamourös ausgeschmücktes Kriminalstück, eine schrille Groteske, ein verspieltes Rätsel, das Ozon mit solch einer Spielfreude einfädelt, das es schlichtweg fabulös ist. Wer ist der Mörder? Ein Mann oder etwa eine der Frauen? Misstrauen und Zwistigkeiten werden ausgebreitet unter den Frauen, Ozons Werk ist ein elegant inszeniertes, wortgewandtes und immer dabei auch charmantes Kammerspiel, ein freches und überspitztes Durcheinander, bei dem es flott hin- und hergeht. Ozon wirft die Figuren hintereinander in den Film, lässt sie auf- und abtreten. Sein Film ist auch eine Show. Er bietet seinen Darstellerinnen eine Bühne, auf der sie sich austoben dürfen und schenkt jeder seiner Leinwand-Heroinen eine illustre Musiknummer, die Ozon einfach in die Geschichte springen lässt. Es ist natürlich auch die Stilisierung, die augenzwinkernde Melodramatik (bei der sich Ozon sowieso auf große Melodramen-Regisseure wie Fassbinder oder Sirk beruft) und die schöne Künstlichkeit, die das Werk beherbergt, die den Film ausmachen. 


Seine Figuren, das sind dabei Charaktere wie eine bigotte Großmutter (Danielle Darrieux), die es sich im Rollstuhl gemütlich gemacht hat, aber eigentlich laufen kann oder eine pedantische und frigide Tante (Isabelle Huppert), die nie zu schlafen scheint, aber heimlich Liebesromane verschlingt und deren Liebe schlicht als Hass missverstanden wird. Es sind Wahrheiten und Lügen, die aufgedeckt werden oder aufgedeckt werden müssen. Jede Figur birgt ein Geheimnis und hinter diesem Geheimnis entdeckt Ozon auch verletzliche Figuren. In »8 Frauen« geht es damit eigentlich um Gefühle, um Liebe und Verlogenheit. Ozons Film ist wie eine Blume, die erstrahlt. Einmal ist er ein vergnüglicher Schlagabtausch seiner Darstellerinnen, ein Werk, das voller Turbulenzen steckt, das aber am Ende auch zu einem wehmütigen Schlussakkord ansetzt.




8.0 / 10

Autor: Hoffman 

Sonntag, 21. August 2016

Fern-Sehen / TV-Tipps: 22.08.16. - 28.08.16.



Alle Angaben sind ohne Gewähr:


22.08.

Speed - 20:15, Kabeleins
(R: Jan De Bont / USA 1994)



Der Unverstandene - 20:15, Arte
(R: Luigi Comencini / F, I 1966)



 Flying Swords of Dragon Gate - 20:15, Tele 5
(R: Hark Tsui / CHINA 2011)



Pans Labyrinth - 21:55, Arte
(R: Guillermo Del Toro / SP, MEX, USA 2006)



A Serious Man - 23:15, NDR
(R: Ethan & Joel Coen / USA, GB, F 2009)



Blau ist eine warme Farbe - 23:25, WDR
(R: Abdellatif Kechiche / F, B, SP 2013)



Des Teufels General - 23:55, MDR
(R: Helmut Käutner / D 1955)



Das Messer - 2:10, ARD
(R: Richard Marquand / USA 1985)



23.08.

Jumanji - 20:15, SuperRTL
(R: Joe Johnston / USA 1995)



Robot & Frank - 20:15, ServusTV
(R: Jake Schreier / USA 2012)



Herr der Gezeiten - 21:55, ServusTV
(R: Barbara Streisand / USA 1991) 

 

Stay - 22:00, ZDFKultur
(R: Marc Forster / USA 2005)



3096 - 22:45, ARD
(R: Sherry Hormann / D 2013)



Hours - Wettlauf  gegen die Zeit - 0:20, ZDF
(R: Eric Heisserer / USA 2013)



Verbrechen aus wahrer Liebe - 0:40, MDR
(R: Luigi Comencini / I 1974)



All Cheerleaders Die - 0:40, Tele 5
(R: Lucky McKee & Chris Sivertson / USA 2013)



24.08. 

 Das perfekte Verbrechen - 20:15, Kabeleins
(R: Gregory Hoblit / USA, D 2007)
 

20 Feet from Stardom - 20:15, Arte
(R: Morgan Neville / USA 2013)



Philomena - 22:15, RBB
(R: Stephen Frears / GB, USA 2013)



Geronimo - Das Blut der Apachen - 22:15, ServusTV
(R: Walter Hill / USA 1993)



Headhunters - 22:40, Arte
(R: Morten Tyldum / N, D, S, DK 2011)



Der Adler der neunten Legion - 23:30, BR
(R: Kevin Macdonald / GB, USA 2010)



25.08.

Wie in alten Zeiten - 20:15, ZDF
(R: Joel Hopkins / GB, F 2013)



Batman - 20:15, Kabeleins
(R: Tim Burton / USA, GB 1989)



The Italian Job - 22:05, Prosieben
(R: F. Gary Gray / USA, F, GB 2003)



Die Träumer - 22:30, 3sat
(R: Bernardo Bertolucci / GB, F, I 2003)



Insidious: Kapitel 2 - 22:35, Vox
(R: James Wan / USA, KAN 2013)



Batmans Rückkehr - 22:50, Kabeleins
(R: Tim Burton / USA, GB 1992)



Willkommen bei den Rileys - 23:00, RBB
(R: Jake Scott / GB, USA 2010)




26.08.

Knight and Day - 20:15, Sat 1
(R: James Mangold / USA 2010)



Hüter der Erinnerung - The Giver - 20:15, Prosieben
(R: Phillip Noyce / USA, KAN, SAFR 2014)


Attack the Block - 22:05, Prosieben
(R: Joe Cornish / GB, F 2011)



Kick-Ass - 22:25, RTL II
(R: Matthew Vaughn / GB, USA 2010)



Public Enemies - 22:35, 3sat
(R: Michael Mann / USA 2009)



A Hard Day´s Night - 23:15, BR
(R: Richard Lester / GB 1964)



Lake Placid - 23:45, Prosieben
(R: Steve Miner / USA 1999)



Die durch die Hölle gehen - 1:00, ARD
(R: Michael Cimino / GB, USA 1978)



27.08. 

Der ganz große Traum - 22:00, BR
(R: Sebastian Grobler / D 2011)


Verflucht - 22:00, ZDFNeo
(R: Wes Craven / USA, D 2005) 

Romeo must die - 22:25, Sat 1
(R: Andrzej Bartkowiak / USA 2000)



Red Rock West - 23:45, RBB
(R: John Dahl / USA 1993)



Traffic - 23:55, ServusTV
(R: Steven Soderbergh / USA, D 2000)



James Bond 007: Feuerball - 0:30, ZDF
(R: Terence Young / GB 1965)



Angel Heart - 0:55, ZDFNeo
(R: Alan Parker / USA, KAN, GB 1987)



Im Vorhof der Hölle - 2:25, ARD
(R: Phil Joanou / USA, GB 1990)



Frenzy - 2:35, ZDF
(R: Alfred Hitchcock / GB 1972)



Wenn die Gondeln Trauer tragen - 2:40, 3sat
(R: Nicolas Roeg / GB, I 1973)



28.08.

Staatsanwälte küsst man nicht - 14:45, ZDF
(R: Ivan Reitman / USA 1986)



Maze Runner - Die Auserwählten im Labyrinth - 20:15, Prosieben
(R: Wes Ball / USA 2014)



Mars Attacks - 20:15, Arte
(R: Tim Burton / USA 1996)



Alle sagen: I love you - 21:45, 3sat
(R: Woody Allen / USA 1996)



300 - 22:25, Prosieben
(R: Zack Snyder / USA 2006)



Inglourious Basterds - 22:45, RTL
(R: Quentin Tarantino / USA, D 2009)



The Company Men - 0:35, ARD
(R: John Wells / USA 2010)



Running Scared - 1:55, Kabeleins
(R: Wayne Kramer / D, USA 2006)




Autor: Hoffman

Freitag, 19. August 2016

Eine Hochzeit in Italien - Kritik: Love Is All You Need (2012)


Dieser Film ist eine kleine Überraschung, weil man gewillt ist aufgrund des deutschen (und weit vom original entfernten) Titels »Love Is All You Need«, der auf eine triviale Romanze schließen lässt, einen ganz anderen Film dahinter zu vermuten und zwar einen Film, von dem man denken könnte, dass Susanne Bier sich nun ganz Hollywood und seiner heilen Welt hingegeben hätte (dafür würde Pierce Brosnan in einer der Hauptrollen sprechen, dagegen aber umso, dass Susanne Bier hinter und vor der Kamera sich sonst auf eine dänische Besetzung verlässt mit Anders Thomas Jensen als Autor und Morten Søborg als ihren Kameramann). So ganz leugnen kann man natürlich nicht, dass es sich bei ihrem Werk vornehmlich um einen Film handelt, der im gewissen Maße zum wohlfühlen und entspannen gedacht ist. Es ist dabei auch nicht ihre erste romantische Komödie, die sie hier inszeniert (Vergleich hierzu: »Der einzig Richtige«) hat und die daher so erfrischend ist, weil Bier neben der attraktiven Klarheit der Bilder, die eine positive Ausstrahlung haben, diese romantische Komödie zurückhaltend schildert.


Ihr Film ist ein sympathisches und vor allem auch humorvolles Leichtgewicht, das sicherlich weit davon entfernt ist das Rad neu zu erfinden. Es ist nun ein Film von Susanne Bier, der von dem Vor-der-Hochzeit erzählt. Diese Hochzeit soll in Italien stattfinden. Die Mutter der Verlobten (Trine Dyrholm), Ida, die gerade den Brustkrebs überstanden hat, wird von ihrem Ehemann (Kim Bodnia) betrogen mit seiner hübschen, aber (wie üblich) dumpfen Buchhalterin. Der Vater des Verlobten (Pierce Brosnan), Philip, ist ein verschlossener und zynischer Geschäftsmann, der immer viel zu tun hat, einsam bleiben will und seine Gefühle unterdrückt. Seine Frau verstarb bei einem Autounfall. Diese beiden unterschiedlichen Figuren lässt Susanne Bier aufeinanderprallen, lässt sie sich gegenseitig beäugen, wahrt dabei Dezenz und lässt sie dann sich langsam einander näheren. Bei diesem Film kann man durchatmen. Er erfreut mit seinen Bildern der Landschaften und Ortschaften, von denen man aber auch zugeben muss, dass sie eine gewisse Postkartenidylle darstellen. Biers Film ist nicht zu streng von den Bildern, weil der Film auch beweglich bleibt von der Kameraführung, was ihm einen mehr provisorischen Touch gibt (wie auch durch die kurzen und oft unmerklichen Jump-Cuts des Films) und er dadurch nie zu starr in dieser Hinsicht wird.


Es ist ein liebenswerter Film, der - neben dem Thema Liebe - über Glück und Pech erzählt, der sich durch Biers sensible Beobachtungen und ihre sanftmütige Erzählweise auszeichnet. Ihre Protagonisten sind eigentlich Figuren, die Schmerz in sich tragen oder gebeutelt sind. Sie beschwört Konflikte herauf, die einbrechen in die Harmonie des Films. Sie bricht damit. Man könnte fast sagen, dass diese Konflikte regelrecht in den Film hineinspringen. Dazu räumt Bier jeder tragenden Figur (von der Tochter, dem Verlobten oder der eitel-giftigen Schwägerin Philips mit Sorgentochter, die ihn für sich versucht zu gewinnen) irgendwann im Verlauf der Geschichte ihren Platz ein. Es sind Figuren, die Sehnsüchte haben, sich fürchten oder verwirrt sind. Bier bricht mit der vorgegaukelten Harmonie einer Hochzeit, denn darunter liegen auch Probleme und Zweifel. Jedoch ist ihr Film am Ende des Tages natürlich ein optimistischer und versöhnlicher, bei dem besonders der Aspekt in diesem Rahmen, in dem er sich bewegt, für ihn spricht, dass er es schafft (durchaus auch wegen seines Witzes) ein Lächeln in das Gesicht seines Zuschauers zu zaubern. Denn wo das eine Glück endet, öffnet sich die Tür für ein anderes.


6.5 / 10

Autor: Hoffman 

Mittwoch, 17. August 2016

Am Anfang war das Nichts - Klassiker der Extraklasse: "Je tu il elle" (1974)

Es gibt Filme wie Chantal Akermans "Je tu il elle", nach denen man sich denkt: Dies ist die einzige legitime Art, einen Film zu machen. Jeder andere gesehene Film erscheint nicht länger relevant, geradezu lächerlich, der Mühe nicht wert.
Dieser Film besitzt eine unglaubliche Universalität. Sich ihn anzusehen, benötigt keinerlei Vorkenntnisse ausser der Erfahrung des Menschseins. Dies ist normalerweise kaum je der Fall; selbst einem noch so simplen Film liegt eine Vorgeschichte zugrunde, diejenige eines Landes, seiner Bewohner, die ergo auf soziale Schicht, Milieu, Rituale, Ethik, auch Charakter etc. der handelnden Personen sich auswirkt, ihr Tun bestimmt. Solch ein Film sucht Gründe zu finden für das Handeln der Menschen, die ausserhalb ihrer liegen; was treibt sie an, wie lenkt ihr Schicksal ihren Lebensweg? Ein idealer Zuschauer sollte diese Vorgeschichte in allen Details kennen; andernfalls entgehen ihm Informationen, die für das Verständnis des Gezeigten eine Rolle spielen. Diese „Vorgeschichte“ kann auch auf einer Meta-Ebene wirken: ein Film, der sich an anderen Filmen orientiert, oder bewusst nicht orientiert; und hat ein Zuschauer vor diesem Film einen bestimmten anderen Film gesehen, dann erscheint ihm Ersterer in völlig anderem Licht, als wenn dies nicht der Fall wäre. Am wenigsten weisen gewisse Avantgarde-Filme (z.Bsp. abstrakte) eine „Vorgeschichte“ auf, obschon sich auch viele Avantgarde-Werke auf bereits existierende Kunstwerke berufen.
Deshalb überrascht es vielleicht nicht, dass Akermans Filme vor „Je tu il elle“ sich quasi in einer avantgardistischen Tradition verorten lassen können, oder zumindest stark davon beeinflusst sind (Akerman nennt Michael Snows „La région centrale“ als Film, von dem sie ein Gespür für filmische Raum-Zeit erlernt habe). „La chambre“ und „Hotel Monterey“ (beide 1972) erforschen den menschengeschaffenen Raum, und dadurch auch den Menschen, der in ihnen waltet, obwohl er in diesen Filmen beinahe abwesend ist. In „Je tu il elle“ rückt er in den Mittelpunkt, wobei: Er ist auch der einzige Punkt, um ihn herum ist nichts.


Was wir sehen: eine junge Frau (Akerman selbst), allein in einem winzigen Zimmer. Aus dieser Prämisse entwächst der Film; wir wissen nichts über die Frau, und müssen auch gar nichts über sie wissen. Der Film, den wir sehen, ist in jeder Bildkomposition, jedem Schnitt, der einzige Film, so scheint es, der aus dieser Situation heraus ohne „Vorgeschichte“ entstehen kann. Dieser Film mag befremdend anmuten, dringt aber gleichzeitig zum Kern der Menschenseele, des Seins vor. Die Frau im Zimmer macht nichts – was soll sie auch tun? Nicht nur ist sie keinen externen Antrieben und Verpflichtungen (der Vorgeschichte) ausgesetzt; auch innerlich ist sie sozusagen dem „Trägheitsgesetz“ untergeordnet. Und aus diesem Nichts entspringen dann doch automatisch gewisse Dinge; sie spielt mit ihrem Atem (vergisst dieses Spiel aber mit der Zeit und macht wieder nichts – so erzählt sie aus dem Off); sie schiebt ihre wenigen Möbel umher und schliesslich ganz aus dem Zimmer; sie betrachtet sich selbst, manchmal nackt, manchmal nicht; sie isst, doch was?: einen Sack Zucker, löffelweise, stösst den Sack um und gibt den Inhalt mühsam wieder zurück. Und sie schreibt Briefe, unendliche, an wen ist unklar… vielleicht an niemanden. Dies entsteht im Film nach und nach, langsam; aber eigentlich war es immer schon da. Wir legen nur eine Schicht nach der anderen frei, erkennen es. Auch die Sehnsucht nach Sexuellem wird so freigelegt und überträgt sich dann auf den weiteren Verlauf des Films. Die Wirkung des Films ist so stark, dass ich eigentlich nicht über ihn schreiben sollte, es fehlt die Distanz. Sich selbst erkennen – ist es das, die Aufgabe der Kunst? Zweifelsohne ist die Wirkung eines Kunstwerks auf den Betrachter immer dann ausserordentlich kräftig, wenn er das Gefühl hat, etwas von seinem Wesen sei hier dargestellt – gewissermassen ein Spiegel, der ihm vorgehalten wird. Der Künstler und der Rezipient liegen dann auf einer Linie; jedoch macht man es sich so auch zu einfach, da wir dazu tendieren, alles so zu deuten, dass es uns am meisten entspricht. Wir wollen uns immer selbst sehen, und verlieren so die Welt aus den Augen, verbeissen uns vielleicht in einem Detail und vergewaltigen das Kunstwerk. Wenn wir auf der Leinwand eine Person sehen, mit der wir uns stark identifizieren können, und dann weinen, weil es ihr schlecht geht, und weil wir uns in sie hineinprojizieren – dies ist, was Pedro Costa in einem Vortrag als „Fastfood“ bezeichnet hat.
– Dies am Rande. Akerman schafft etwas Distanz, indem sie im Off das zu Sehende kommentiert. Manchmal (selten) korrespondiert die Stimme mit dem Bild; manchmal hören wir etwas, lange bevor oder nachdem wir es sehen, manchmal scheinen sich Ton und Bild zu widersprechen, resp: wir wissen nicht, ob das, was wir hören, irgendwann stattfindet (aber nicht im Film), oder überhaupt nie, und wir wissen nicht, ob wir Ton oder Bild mehr trauen sollen.


Irgendwann stösst die Frau im Zimmer die Fenstertüre auf und verlässt den Raum, ohne sie zu schliessen. Und wie die Frau verlässt auch der Film das Zimmer; er öffnet sich, hebt ab, schwebt dahin. Nie mehr werden wir in dieses Zimmer zurückkehren. Es folgen zwei auch sexuelle Begegnungen, mit einem der Frau fremden Mann (im zweiten Teil) und einer ihr bereits bekannten anderen Frau (dritter Teil). Die Chronologie der drei Teile bleibt offen; zwar erscheint es durch das Öffnen der Türe zum Schluss des ersten Teils und dem darauffolgenden Schauplatzwechsel nach draussen als logisch, der zweite Teil folge dem ersten, handfeste Beweise dafür gibt es allerdings nicht. Auch der dritte Teil muss nicht unbedingt zu Ende der Chronologie stehen; der Film beginnt mit der Stimme Akermans, die sagt: „und so ging ich weg“; wir sehen jedoch erst jeweils als Ende des ersten und des dritten Teils ein Weggehen, wohingegen sie zu Beginn ruhig im Zimmer sitzt.
Die Bildkompositionen sind in einer Weise beschaffen, die man gemeinhin als „Poetik des Alltäglichen“ abtut: Den gewöhnlichsten, uns wohlbekanntesten Dingen, Gegenständen und „settings“ (Fenster, Wcs, Cafés) werden atemberaubende, expressive, ästhetisierte Schwarz-Weiss-Ansichten abgewonnen. Aber es sind die einzigen Bildkompositionen, die sich aus einem zugleich intensiv erlebten und zermürbend öden Alltag ergeben können. Diese alltäglichen Dinge werden uns neu bewusst gemacht, als würden wir sie zum ersten Mal sehen. Akermans Blick ist immer geprägt von dieser Neugierde, den Dingen „auf den Grund zu gehen“; eben nicht nur den Personen, sondern auch Gegenständen oder ganzen Zimmern. Die Einstellungen werden solange gehalten, wie wir diese Dinge, würden wir sie zum ersten Mal sehen, im echten Leben ansehen würden; genug Zeit, um alles zu absorbieren, aber keineswegs überlange.




Im zweiten Teil gibt es einige Einstellungen, in der sich die Frau und der Mann, ein Lastwagenfahrer, der von Zeit zu Zeit Pausen benötigt, in Kneippen gegenüber- oder nebeneinander sitzen. Sie sprechen kein Wort, sind alleine mit sich beschäftigt, und reagieren dennoch auf die Präsenz des anderen; mit Körpersprache, mit ganz kurzen Blicken. Diese Einstellungen werden sehr lange gehalten, doch habe ich überhaupt kein Problem damit, gehören sie doch zu den schönsten Szenen des Films, denen man wirklich ewig zuschauen könnte. Es gibt kaum etwas Spannenderes, als zwei Menschen zuzusehen, die nonverbal interagieren. Auch deshalb ist der Film universell – diese Szenen lassen Dialoge in anderen Filmen überflüssig, unnötig, geradezu wahrer Spannung und Erfahrung abträglich zu sein. Auch sonst wird in „Je tu il elle“ beinahe gar nicht gesprochen, abgesehen von einem Monolog des Lastwagenfahrers und der nur zu Beginn und auch da äusserst spärlich eingesetzten Off-Stimme Akermans. Die auf der Leinwand zu sehende Akerman spricht kaum je.


Obwohl der Film surreal anmutet, ist er doch so real wie kaum ein Film. Ich habe „Jeanne Dielman“ und viele andere Filme Akermans noch nicht gesehen, doch hätte sie nur „Je tu il elle“ gedreht, sie hätte die Filmlandschaft für mich verändert, mein Kino neu erfunden. 

10 / 10


Autor: Cameron

Sonntag, 14. August 2016

Fern-Sehen / TV-Tipps: 15.08.16. - 21.08.16.




Alle Angaben sind ohne Gewähr:


15.08. 

Viva Maria! - 15:20, Arte
(R: Louis Malle / F, I 1965)



2001 - Odyssee im Weltraum - 20:15, Arte
(R: Stanley Kubrick / USA, GB 1968)



Kundun - 20:15, ServusTV
(R: Martin Scorsese / USA 1997)



Kiss of the Dragon - 22:00, Kabeleins
(R: Chris Nahon / USA, F 2001)



Zwischensaison - 22:25, 3sat
(R: Daniel Schmid / F, CH, D 1992)



Schlachthof 5 - 22:30, Arte
(R: George Roy Hill / USA 1972)



 Cromwell - Der Unerbittliche - 22:45, ServusTV
(R: Ken Hughes / GB 1970)





Bullhead (OmU) - 23:25, WDR 

(R: Michael R. Roskam / B, NL 2011)
 

Der geteilte Himmel - 23:55, MDR
(R: Konrad Wolf / DDR 1964)



Contracorriente - 1:30, WDR
(R: Javier Fuentes Léon / PERU, KOL, F, D 2009)



16.08.

Arthur & die Minimoys - 20:15, SuperRTL
(R: Luc Besson / F 2006)



Broken Flowers - 20:15, ServusTV
(R: Jim Jarmusch / F, USA 2005)



Pulp Fiction - 22:05, ZDFKultur
(R: Quentin Tarantino / USA 1994)



The King´s Speech - 22:10, WDR
(R: Tom Hooper / GB, USA, AUS 2010)



Das Wochenende - 22:45, ZDF
(R: Nina Grosse / D 2012)



This ain´t California - 23:30, RBB
(R: Marten Persiel / D 2012)



17.08. 

Déjá Vu - Wettlauf gegen die Zeit - 20:15, Kabeleins
(R: Tony Scott / USA 2006)



Jud Süss - Film ohne Gewissen - 20:15, Arte
(R: Oskar Roehler / D, Ö 2010)



Keoma - 22:15, ServusTV
(R: Enzo G. Castellari / I 1976)



Der elektrische Reiter - 22:25, 3sat
(R: Sydney Pollack / USA 1979)



The Hallow - 22:25, Tele 5
(R: Corin Hardy / GB 2015)



Dämon - 22:45, Kabeleins
(R: Gregory Hoblit / USA 1998)



No! - 23:00, Arte
(R: Pablo Larrain / CHILE, USA, F, MEX 2012)



Jane Eyre - 23:15, RBB
(R: Jane Eyre / GB, USA 2011)



18.08.

Love is All You Need - 20:15, ZDF
(R: Susanne Bier / DK, S, I, F, D 2012)




Der Pferdeflüsterer - 20:15, Kabeleins
(R: Robert Redford / USA 1998)




Havanna - 22:25, 3sat
(R: Sydney Pollack / USA 1990)




Hellboy - 22:30, Vox
(R: Guillermo Del Toro / USA 2004)




Welcome - 23:00, RBB
(R: Philippe Lioret / F 2009)




Die Unbestechlichen - 23:45, Kabeleins
(R: Alan Pakula / USA 1976)




19.08.


I, Robot - 20:15, Prosieben
(R: Alex Proyas / USA, KAN 2004)



Die drei Tage des Condors - 22:10, 3sat
(R: Sydney Pollack / USA 1975)



I am Legend - 22:25, Prosieben
(R: Francis Lawrence / USA 2007)



OSS 117 - Er ist sich selbst nicht genug - 1:15, ARD
(R: Michel Hazanavicius / F 2009)



Stephen King´s Thinner: Der Fluch - 2:20, Prosieben
(R: Tom Holland / USA 1996)



Angst über der Stadt - 2:55, ARD
(R: Henri Verneuil / F, I 1975)



20.08.

R.I.P.D. - 20:15, RTL
(R: Robert Schwentke / USA 2013)





Ratatouille - 20:15, Sat1
(R: Brad Bird, Jan Pinkava / USA 2007)



Looney Tunes - Back in Action - 20:15, SuperRTL
(R: Joe Dante / USA 2003)



 Das Glück der großen Dinge - 20:15, ServusTV
 (R: Scott McGehee / USA 2012)



The World´s End - 22:00, RTL
(R: Edgar Wright / GB, USA, J 2013) 

 

Take Shelter - 22:05, ServusTV
(R: Jeff Nichols / USA 2011)



James Bond 007: Goldfinger - 23:00, ZDF
(R: Guy Hamilton / GB 1964)



Nirgendwo in Afrika - 23:25, BR
(R: Caroline Link / D 2001)



John Dies at the End - 23:50, Tele 5
(R: Don Coscarelli / USA 2012)



Im Zeichen der Libelle - 0:30, Sat 1
(R: Tom Shadyac / USA, D 2002)



Die Vögel - 0:50, ZDF
(R: Alfred Hitchcock / USA 1963)



Die Akte Jane - 2:15, RTL
(R: Ridley Scott / USA 1997)




21.08.

Loriots Ödipussi - 15:05, ARD
(R: Vicco von Bülow / D 1988)



Dark Shadows - 20:15, RTL
(R: Tim Burton / USA 2012)



Ender´s Game - 20:15, Prosieben
(R: Gavin Hood / USA 2013)



Aviator - 20:15, 3sat
(R: Martin Scorsese / USA, D 2004)



Eyes Wide Shut - 22:15, Arte
(R: Stanley Kubrick / GB, USA 1999)



We Need to Talk about Kevin - 22:20, Tele 5
(R: Lynne Ramsay / GB, USA 2011) 

 

Conjuring - Die Heimsuchung - 22:30, Prosieben
(R: James Wan / USA 2013)



 Männer, die auf Ziegen starren - 0:05, ARD
(R: Grant Heslov / USA, GB 2009)




Autor: Hoffman  









Freitag, 12. August 2016

Short Cuts: Spielberg (#2)

 Something Evil (1972)

Einer von Spielbergs ersten Filmen, auch wie Duell ein Fernsehfilm, ist ein biederer Low-Budget-Genrefilm, ein altmodischer und bisweilen betagter und leicht konfuser Haunted-House-Film, den Spielberg aber durchaus bündig erzählt. Er erzählt im Grunde die Entwicklung einer einsamen Hausfrau, die sich mehr im Wahn des Okkulten verliert, mit der Einsamkeit nicht fertig wird. Der Film fokussiert sich gezielt auf sie, ist geradlinig in seiner Entwicklung, setzt kaum narratives Fett an. Der Film ist heutzutage etwas krude, das Ende strahlt (in seiner Hektik) Naivität aus, hat aber durchaus effektvolle Momente, Momente, in denen der junge Spielberg Bewegung sucht oder mit der Kamera expressiv die Gesichter seiner Figuren sucht. Der Film hat die typischen Spielberg-Themen: es geht um eine Familie, um die Kraft der Liebe, die diese wieder zusammenführt am Ende, um abwesende Väter und (das ist jetzt nicht so typisch) starke, aber eben auch hysterische Mütter, die verzweifeln, die kämpfen, die mit sich ringen. Das erinnert an Goldie Hawn in Sugarland Express, der auch eine starke Protagonistin wählt (wobei die Protagonistenwelt von Spielberg zumeist ja eine Männerwelt ist) oder eben noch als Nachklang in Filmen wie "E.T" zu finden ist. Im Subgenre des Haunted-House-Film ist Spielbergs Werk, das in ein geradezu leuchtendes Licht getaucht ist, was dem Illusionären bis Geisterhaften des Films nur zuträglich ist, keinesfalls etwas herausragendes, sondern mehr ein Komplettistenwerk. 
 5.5 / 10

E.T. - The Extra-Terrestrial


E.T., das ist die Geschichte der Kindheit, der Sehnsüchte und der Freundschaft, die durch einen Außerirdischen erscheint. Es ist kurz gesagt auch die Essenz der Kindheit, die Spielberg mit diesem Film facettenreich eingefangen hat. Es ist in Spielbergs Schaffen des weiteren nichts anderes als das Herz. Es ist ein Film über die Einsamkeit, die Familien, zerbrochene Familien, über die Abwesenheit der Väter, die eine Lücke in der Familie hinterlassen haben, die noch nicht gefüllt wurde. Spielberg schildert seinen Film einfühlsam und vor allem mit großen neugierigen Augen für alles, was dort auf der Leinwand passiert. Es ist ein Film, der von einer optimistischen Naivität durchströmt wird, die Antagonisten eher schleierhaft bleiben (auch wenn Spielberg diese Verschleierung der Gesichter im Verlaufe der Handlung auch aufhebt und seine Antagonisten vermenschlicht). In "E.T." geht Spielberg dazu sehr bewusst mit der Größe, der Darstellung des Großen und des Kleinen um, was sich besonders zu Beginn zeigt, wenn er die Geschichte über die Details erzählt und die Geschichte dadurch mysteriös wird, beinahe mythisch, da Spielberg sie im Schatten hält, keine klaren Konturen abzeichnet in den Bildern. So bleiben die Erwachsenen nur Silhouetten in der Nacht, Gespenster und böse Geister, die so übermächtig erscheinen (und markiert werden durch einen Schlüsselbund an der Hose), womit für uns auch klar erkennbar wird, dass Spielberg aus der Perspektive der Kleinen erzählt. Er erzählt aus der Perspektive der Kinder und so ist "E.T." auch Spielbergs wahrhaftigster Film, weil er das Aus-den-Augen-der-Kinder-sehen am konkretesten umsetzt. Eigentlich sogar zum Prinzip seines Films macht. Des weiteres ist dieses Werk auch einer dieser großen kleinen (mythischen) Vorstadtfilme, die von den Suburbs der 80er-Jahre erzählen, in denen eine nostalgische Sehnsucht steckt. Fast schon hat dieser Film dann auch, in seinen schönsten Momenten, etwas tranceartiges zu bieten, Momente, in denen man sich der Magie dieser Welt hingeben will, sich ganz auf diese Welt einlässst und sich in ihr verliert. Schlichtweg ist es ein Werk, das voller Sanftmut und Liebe steckt. Es liegt eine Liebe für jeden Moment vor. Spielberg verleiht jedem Moment eine besondere Magie, mag dieser noch so klein sein und das macht diesen großen kleinen Film aus. Dieser Film ist ein Kinomärchen, das man glauben muss, um es zu fühlen und an dessen Ende man einfach nur mit einem offenen Herzen staunen möchte.

8.5 / 10


 Krieg der Welten (2005)


Spielberg bebildert den kleinen Menschen in einem großen Kosmos. Er betont oft den Gegensatz vom Großen und Kleinen, vom Spektakulären und Intimen. Er betont wie klein der Mensch im Gegensatz zu seinen Gegnern, den Maschinen und Monstern ist. Spielberg erzählt eine alptraumhafte und düstere Odyssee einer Familie, die wieder zusammenwachsen muss, mit überforderten Vater, neunmalklugen Töchter und heroischen Söhnen, die sich ihre Hörner abstoßen müssen, Heroen sein wollen. Die Familie ist in Spielbergs Film das gewichtige Zentrum. Das interessiert ihn. Seine Geschichte lebt von der Fokussierung, der Enge und Intimität, die damit einhergeht. Denn sein Blick bleibt stets auf seine Protagonisten gerichtet, endet sogar beinahe in einer kammerspielartigen Situation (eine direkte Konfrontation mit den Außerirdischen muss es am Ende natürlich auch geben, aber da geht es auch um die Menschlichkeit, die Menschen, die zusammenhalten und das Böse bezwingen). Dieser Film (und vor allem seine Aliens) das sind wohl auch Spielbergs Verweise auf Dark Skies (oder das Nachholen dessen), der schließlich nie das Tageslicht erblickte.

7.0 / 10


Autor: Hoffman  

Mittwoch, 10. August 2016

Von Dackeln und Menschen - Kritik: Wiener Dog (2016)

Es beginnt mit einem trägen Dackel (engl. "Wiener Dog"), der fast komplett teilnahmslos zwischen den Gitterstäben eines Käfigs starrt. Eigentlich müsste der Vierbeiner ein Glückspilz sein, denn eine sich im Vorort erfolgreich verwirklichte dreiköpfige Familie adoptiert ihn, damit der junge Sohn, der gerade erst seine frühe Krebserkrankung überstanden hat, einen Spielkameraden hat. Doch so einfach wie in der Heile-Welt-Vorstellung des Patriarchen gestaltet sich das Zusammenleben mit dem Haustier nicht. Beim Gassigehen muss er fast durchweg gezogen werden und eine für Hunde unangebrachte Mahlzeit bestraft er mit einem regelrecht nimmermüden Durchfallinferno. Dass hier die Grenzen der Komödie ausgelotet werden, zeigt sich spätestens, wenn die Kamera gefühlt minutenlang an der braunen Fäkalienspur vorbeifährt. Für Regisseur Todd Solondz ist die erste Episode im Film ein Heimspiel: Schon immer zeigte er den Zuschauern die finsteren Auswüchse der US-amerikanischen Vororte, am populärsten in seiner Groteske "Happiness", die diesbezüglich nicht selten als das bessere "American Beauty" bezeichnet wird. Ganz so radikal fällt sein "Wiener Dog" leider nicht aus.

Nach der ersten Episode, die zwangsläufig mit der Abgabe des Hundes zu einem Zwinger endet, nachdem das häusliche Glück zerstört wurde, rettet die Tierärztin Dawn Wiener (Greta Gerwig) den armen Fratz, der ihr auch prompt zu einer Verabredung mit dem offensichtlichen Junkie Brandon verhilft. Dieser will seinen weit entfernt lebenden Bruder besuchen, um vom Tod ihrer Mutter zu berichten. Die zweite Episode hat im Gegensatz zur ersten Road-Movie-Charakter und erzählt, wie die ungleichen Reisenden von einer skurillen Situation in die nächste geraten. So nehmen sie zum Beispiel eine mexikanische Straßenbahn mit, die das Leben in Amerika ganz (schlimm) traurig finden, wie auch ohnehin alles betont trist ausfällt. Brandon spritzt sich heimlich was im Bad, während Dawn nicht weiß, wie sie an ihren unnahbaren Begleiter herankommen soll. Letztlich bleibt der Wiener Dog bei Brandons Bruder (der im übrigen das Down Syndrom hat). Wie der Dackel zu seinem nächsten Besitzer kommt, wird nicht erwähnt. Es erscheint auch unwichtig angesichts der Zwischenblendung, die den wandernden Hund vor abseitigen Rückeinblendungen (unter anderem die Prärie oder ein Stripclub!) zeigt, was mit einem amüsant generischen Countrysong untermalt wird.

Zwei weitere Episoden folgen, mit denen Solondz von einem frustrierten Drehbuchschreiber (groß wie immer: Danny DeVito) und einer blinden Großmutter (Ellen Burstyn) erzählt, deren vergangene Geister sie heimsuchen. Der besagte Drehbuchautor ist des ausbleibenden Erfolgs wegen zugleich Lehrer an einer Filmakademie mit bemerkenswert scheußlichen Schülern, die ihn letztlich zu einer Verzweiflungstat samt Bombenattrape für Hunde führt. Ob dieser Episode persönliche Erfahrungen verarbeitet? Zumindest zeigt sich in ihr ein Stillstand der alten Garde, während die neue Generation an Filmemachern durch ihre fragwürdige Einstellung samt und sonders zu verdammen ist. Negativ wie immer eben, tja. Der titelgebende Dackel nimmt eine zunehmend bedeutungslosere Rolle ein, ehe er in der letzten Episode auf unglückliche Weise sein Ende findet (aber zugleich in einer Kunstaustellung weiter lebt). Solondz schafft es nicht, sein Publikum zu verprellen. Zwar kristallisiert sich immer wieder eine gewollte Andersartigkeit heraus (Stichpunkt: Fäkalspur, oder die ausbleibende Katharsis der Geschichten), aber besonders radikal ist der neueste Streich des Enfant terrible nun wirklich nicht. Alles plätschert eben vor sich hin. Erschüttern kann das die stoische Ruhe des Wiener Dogs auch nicht.

                                                                 5/10 

Autor: DeDavid

Sonntag, 7. August 2016

Fern-Sehen / TV-Tipps: 08.08.16. - 14.08.16.



Alle Angaben sind ohne Gewähr:

08.08.

Barbarella - 20:15, Arte
(R: Roger Vadim / F, I 1968)


Lautlos im Weltraum - 21:50, Arte
(R: Douglas Trumbull / USA 1972)



Inside Man - 22:15, ZDF
(R: Spike Lee / USA 2006)



Running Man - 22:20, Kabeleins
(R: Paul Michael Glaser / USA 1987)



Hannah Arendt - 23:15, NDR
(R: Margarethe von Trotta / D, F, LUX, ISR 2012)



Planet der Stürme - 23:15, Arte
(R:  Pavel Klushantsev / UdSSR 1962)


 

Red Heat - 0:10, Kabeleins
(R: Walter Hill / USA 1988)



Löwenkäfig - 0:10, WDR
(R: Pablo Trapero / ARG, KOR, BRA, SP 2008)




09.08.

Mrs. Doubtfire - 20:15, SuperRTL
(R: Chris Columbus / USA 1993)



The Suspect - 20:15, Tele 5
(R: Won Shin-yeon / KOR 2013)



Biester - 20:15, ZDFKultur
(R: Claude Chabrol / F, D 1995)



 Kill Bill Vol. 2 - 22:00, ZDFKultur
(R: Quentin Tarantino / USA 2004)



Im Spinnwebhaus - 22:45, ARD
(R: Mara Eibl-Eibesfeldt / D 2015) 


 

Hide & Seek - Kein Entkommen - 22:50, Tele 5
(R: Jung Hu / KOR 2013)




10.08.

Couchgeflüster - 20:15, Sat 1
(R: Ben Younger / USA 2005)



Falling Down - 20:15, Kabeleins
(R: Joel Schumacher / USA 1993)



Im Namen des Vaters - 20:15, Arte
(R: Jim Sheridan / IRL, GB, USA 1993)



The Immigrant - 20:15, Tele 5
(R: James Gray / USA 2013)



Zwei Companeros - 22:15, ServusTV
(R: Sergio Corbucci / I, D, SP 1970) 



Große Wellen - 22:20, Arte
(R: Lionel Baier / CH, F, POR 2013)



Wall Street - 22:30, Kabeleins
(R: Oliver Stone / USA 1987) 

 
 

 Being Flynn - 23:30, ZDF
 (R: Paul Weitz / USA 2012)



The Way Back - 23:30, BR
(R: Peter Weir / USA, PL, VAE 2010)



Black Rain - 1:05, Kabeleins
(R: Ridley Scott / USA 1989)




11.08. 

The Social Network - 20:15, Prosieben
(R: David Fincher / USA 2010)



Wall Street: Geld schläft nicht - 22:45, Prosieben
(R: Oliver Stone / USA 2010)




Jeder stirbt für sich allein - 23:00, RBB
(R: Alfred Vohrer / D 1976)




Straw Dogs - 1:30, Prosieben
(R: Rod Lurie / USA 2011)




12.08.

Shine - 15:20, Arte
(R: Scott Hicks / AUS 1996)



Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 - 20:15, Sat 1
(R: Gore Verbinski / USA 2006)



In Time - 20:15, Prosieben
(R: Andrew Niccol / USA 2011)



James Bond 007: Sag niemals nie - 20:15, RTL II
(R: Irvin Kershner / GB, USA, D 1983)



Der große Gatsby - 22:00 3sat
(R: Jack Clayton / USA 1974)



Andromeda - 1:35, ZDF
(R: Robert Wise / USA 1971)



Predators - 2:10, Prosieben
(R: Nimrod Antal / USA 2010)



13.08. 

Pirates of the Carribean - Am Ende der Welt - 20:15, Sat 1
(R: Gore Verbinski / USA 2007)


Operation Walküre - Das Stauffenberg Attentat - 20:15, Prosieben
(R: Bryan Singer / USA, D 2008)



21 Gramm - 20:15, ZDFNeo
(R: Alejandro G. Inarritu / USA 2003)



The Score - 20:15, ServusTV
(R: Frank Oz / USA 2001)



Tokarev - 22:25, RTL
(R: Paco Cabezas / USA, F 2014)



Der Soldat James Ryan - 22:30, Prosieben
(R: Steven Spielberg / USA 1998)



Hécate - 23:05, 3sat
(R: Daniel Schmid / CH, F 1982)



Jackie Can First Strike - Erstschlag - 23:35, Sat 1
(R: Stanley Tong / HK, USA 1996)



Three Kings - 1:10, RTL II
(R: David O. Russell / USA, AUS 1999)



Unthinkable - 1:30, ARD
(R: Gregor Jordan / USA 2010)



Emperor - 2:55, RTL II
(R: Peter Webber / USA, J 2012)



14.08.

Bettgeflüster - 15:20, ZDF
(R: Michael Gordon / USA 1959)



Ride Along - 20:15, RTL
(R: Tim Story / USA 2014)



Jenseits von Afrika - 20:15, 3sat
(R: Syndey Pollack / USA 1985)



Brothers Grimm - 20:15, RTL II
(R: Terry Gilliam / USA, GB, CZ 2005)



Das Leben des Brian - 20:15, Arte
(R: Terry Jones / USA 1979)



I am Divine - 21:45, Arte
(R: Jeffrey Schwarz / USA 2013)



Repo Men - 22:35, RTL II
(R: Miguel Sapochnik / USA, KAN 2010)



Barfuß im Park - 22:50, 3sat
(R: Gene Saks / USA 1967)


Wolves - 23:20, Prosieben
(R: David Hayter / F, KAN 2014)



Der Krieg im Bohnenfeld - 0:30, 3sat
(R: Robert Redford / USA 1988)

 

In Sachen Henry - 1:25, Kabeleins
(R: Mike Nichols / USA 1991)



Jade - 3:20, Kabeleins
(R: William Friedkin / USA 1991)






Autor: Hoffman